Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 42 (1886)
- Issue
- 7 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der junge Rabbiner erlangte vermöge seiner Gelehrsamkeit unter seinen Volksgenossen bald ein hohes Ansehen. In seiner Gegenwart pflegten alle anwesenden Juden, auch die ältesten, sich ehrerbietig von ihren Sitzen zu erheben. Bei Mahlzeiten, an denen er teilnahm, durfte niemand vor ihm mit Essen und Trinken beginnen. Auch bei den türkischen Behörden wußte der junge Mann sich Geltung zu verschaffen. Bei Rechtsfällen, in denen sie seine Mitwirkung in Anspruch nahmen, bewies er so viel Geschick, daß man ihn dann später seinem Großvater vorzog. , - . Dem Christentum stand Aaron damals, durchaus feindselig. gegenüber. Als i. I. 1880 ein Judenmissionar bei einem Fest an den Gräbern im Thale Josaphat an die versammelten Juden eine Ansprache halten wollte, befahl der fanatische Gegner der Mission, ihn zu töten. Der Christ entging jedoch mit Gottes Hilfe den Steinwürfen und Schlägen der Menge. Aber auch dieser Saulus sollte ein Paulus werden und der in Christo geoffenbarten Wahrheit gehorchen lernen. Ein Mitglied der deutschen evangelischen Gemeinde zu Jerusalem wurde dabei von dem Herrn als Werkzeug gebraucht. Der Deutsche, dem .Aaron in einem Streithandel mit einem Juden Beistand geleistet hatte, überreichte demselben ein Neues Testament, um ihm seine Dankbarkeit zu bezeugen. Er bemerkte zugleich, daß er hiermit das Beste gebe, was er habe. Der Rabbiner mochte zunächst von einem solchen Geschenk nichts wissen und warf das Buch sofort zum Fenster hinaus.. Als aber der Deutsche, der sich nicht so leicht abschrecken ließ, nach einigen Tagen mit derselben Gabe wieder erschien, nahm er sie doch an. Er öffnete das Buch, um darin zu lesen. Da fielen seine Blicke auf das Wort des Heilandes Matth. 16, 6: „Sehet zu und hütet euch vor dem Sauerteige -er Pharisäer und Sadducäer." Dieser Spruch drang in das durch' Menschensatznngen und Selbstgerechtitzkeit erstarrte Herz tief ein. Eifrig forschte der junge Gelehrte weiter und-begleitete das Lesen mit Beten. So verschwanden denn nach, und nach immer mehr die anerzogenen Vorurteile, und es erwachte in der Seele des bisherigen Verächters Jesu Christi eilt herzliches Verlangen nach der Gemeinschaft mit demselben. In Jerusalem war es unserm Freunde unmöglich, mit den Lehren der Kirche sich näher bekannt zu machen. Da entschloß er sich, nach Deutschland zu fliehen. An einem Abend verließ er das Haus des Großvaters und die Geburtsstadt. Allein schon bei Ramleh holten ihn die Boten seiner Verwandten, die seine Flucht bald gemerkt hatten, wieder ein. Man übergab ihn hier vorläufig einem Juden zu Bewachung. Nach einigen Wochen konnte sich