Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 42 (1886)
- Issue
- 7 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Wie das Christentum eine Unterwerfung' der Vernunft unter das Gesetz Christi fordert (2. Kor. 10, 5), so erhebt es auch den Anspruch, daß diejenigen, welche-sich ihm zuwenden, die Liebe zu Vater und Mutter, Bruder und Schwester dem himmlischen Könige zum Opfer bringen (Matth. 10, 37; Luk. 14, 26). Der Erlöser ist erschienen, um den Menschen zu erregen wider seinen Vater, die Tochter wider ihre Mutter (Matth. 10, 35; 19, 29). Es ist zwar nicht der Endzweck, aber doch der Mittelzweck seines Erscheinens, daß sich einer wider den andern setzt. Er will einen Riß in der Menschheit herbeiführen. Die von Gott geordneten Bande der Pietät dürfen nicht so stark sein wie die Liebe zu Gott selbst, zu Gottes Sohn und Gottes Reich (Matth. 6, 33). Man soll Gott mehr gehorchen als den Menschen (Ap.-G. 5, 29). Dieser Satz ist ja vielfach gemißbraucht worden, aber er hat unvergängliche Bedeutung. Gott verlangt durch die prophetischen Vorläufer, wie durch die apostolischen Nachfolger des Heilands, daß wir seinen geliebten Sohn hören. Wer diesem Gebot ein Recht zugesteht, wird sich, wenn auch vielleicht mit blutendem Herzen, dazu entschließen, die teuersten Beziehungen auf Erden zu lösen. Er wird es geschehen lassen, wenn zwischen ihm und den nächsten Angehörigen eine Kluft befestigt wird. Ist dieser Edelsinn nicht noch größer als der des „gemütstiefen" Weichlings, der die Familienliebe über die Gottesliebe stellte? Don der Weissagung;ur Erfüllung. Aaron L. R. wurde zu Jerusalem geboren. Sein Großvater ist ein hochbetagter Rabbiner daselbst. Die Familie stammt angeblich von Esra ab. Ein altes Herkommen verlangte, daß Aaron Gelehrter werden sollte. So wurde er von seinen Eltern in früher Jugend der Leitung des Großvaters übergeben, damit dieser ihn in das jüdische Wissen einführe. Schon als Knabe von 4 Jahren mußte er täglich mehrere Seiten des Talmuds auswendig lernen. Bäder und kalte Waschungen frischten die Kräfte des schwachen Körpers wieder auf, wenn sie erlahmen wollten. Mit 13 Jahren besaß Aaron so reiche Kenntnisse, daß er zum Rabbiner ernannt werden konnte. Jetzt machte ihn der Großvater zu seinem Amtsgehilfen. Gleichzeitig trat der Knabe in die Ehe. Zu dem allgemeinen Grund, daß Rabbiner verheiratet sein müssen, kam noch der besondere, daß sich Aaron nunmehr mit der Kabbala, der jüdischen Geheimlehre, beschäftigen wollte, deren Studium Ehelosen nicht gestattet ist. Die Frau stammte aus dem Geschlecht Kahats, eines der drei Söhne Levis.