Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 42 (1886)
- Issue
- 7 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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51 begegnen, bei dem Sie merken, daß er in ehrlicher, durch sorgfältige Prüfung gewonnener Überzeugung von der Erhabenheit der christlichen Religion sich dazu entschlossen hat, mit seiner Vergangenheit zu brechen und in die christliche Kirche einzutreten! Ja, mögen Sie selber noch einmal von der Macht der Wahrheit und des Lebens, wie sie in Jesu, dem Messias, leibhaftig erschienen sind, sich überwinden lassen und das Bürgerrecht in dem von dem gottmenschlichen Erlöser gestifteten Reiche suchen! Daß manche Judenchristen charakter- und ehrlose Menschen sind, muß ich Ihnen leider zugeben. Aber welcher Stand zählt nicht solche Subjekte zu seinen Angehörigen? Seien Sie doch gerecht und verwerfen Sie nicht den ganzen Proselytenstand wegen der einzelnen Personen, die Ihren Unwillen erregen! III. Sie fragen nach den Formalitäten der Aufnahme eines Israeliten in die protestantische Kirche. Die darüber bestehenden Verordnungen lauten in der Hauptsache folgendermaßen: 1. Der Akt (die Taufe) erfolgt nach Beendigung eines je nach Bedürfnis längeren oder kürzeren vorbereitenden Unterrichts entweder vor versammelter Gemeinde in Verbindung mit einem Gottesdienst, oder vor 2—3 Zeugen. 2. Bei dem Akt verpflichtet sich der Übertretende auf das sog. apostolische Glaubensbekenntnis, das er wo möglich in eigener Person ablegt. — Für den Geistlichen, der um eine Proselytentaufe angegangen wird, gilt die Mahnung des Apostels (1. Tim. 5, 22): „Die Hände lege niemand bald auf." So möchte ich denn auch Ihre Aufnahme in die christliche Kirche noch ein wenig hinausschieben. Ich wünsche, daß Sie vorher recht tief in die christlichen Lehren eindringen und dieselben systematisch studieren. Eine Handreichung dabei kann Ihnen der jüngst in zweiter Auflage erschienene „Inbegriff der christlichen Lehre" von Thiersch gewähren (Basel 1886 bei Felix Schneider, 396 Seiten, 5 Mark). Doch müssen Sie dies Buch namentlich in seinem letzten Teil mit Vorsicht gebrauchen und beständig an der heiligen Schrift prüfen. Sehr gewinnbringend können auch Lebensbeschreibungen echter Christen werden, z. B. das Leben Kapffs von seinem Sohn (Stuttgart bei Belser, 2 Bände). Ich bin weit davon entfernt, zu verlangen, daß sich das geistliche Leben bei jedem nach einer Universalmethode gestalten müsse. Sie weisen mit Recht auf die Verschiedenheit der Lebensbedingungen hin, unter denen der Mensch aufwächst, und von deren Einfluß er sich nie ganz frei macht. Aber gewisse Grundpfeiler dürfen in keinem Herzen fehlen, wenn ein heiliger Bau zustande kommen soll.