Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 42 (1886)
- Issue
- 7 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 fließende Versöhnung mit dem heiligen Gott annimmt, erlangt die Kindschaft Gottes und die Erbschaft des ewigen Lebens. Doch soll der Christ keineswegs auf das Diesseits verzichten, wenn ihm das Jenseits seine Pforten öffnet, vielmehr sich bemühen, das engere wie das weitere Lebensgebiet, in dem er sich befindet, die Familie, die Gesellschaft, den Staat, zum Reiche Gottes auszubilden und zu verklären. Es wundert mich, geehrter Herr, daß Sie nur auf das soeben angedeutete Ziel, nicht auf den zu ihm führenden Weg Hinweisen. Sie freuen sich der schönen Früchte, aber des Baumes und seiner Wurzel gedenken Sie nicht. Wo zeigt sich denn der segensreiche Einfluß der christlichen Religion am herrlichsten? Doch wohl da, wo ihre Bekenner von dem Glauben an die Offenbarung Gottes in Jesu Christo durchdrungen sind und getragen werden. Ein Philanthropin im schönsten Sinne des Wortes war die Pfingstgemeinde. Sie war eS deshalb, weil die Liebe zu den Menschen immer wieder durch den Verkehr mit der oberen Welt geweckt und angespornt wurde. , Die echte christliche Ethik und Pädagogik läßt sich eben von der Dogmatik nicht trennen. Erschrecken Sie bei diesem Worte nicht! Ich weiß sehr wohl zu unterscheiden zwischen den Lehrsätzen, welche das Neue Testament selber dem aufmerksamen Leser vorhält, und dem mit vielen menschlichen Zuthaten versehenen Lehrsystem späterer Jahrhunderte. Gestatten Sie, daß ich Ihnen einige Schriftstellen nenne, denen Sie die Grundzüge der neutestamentlichen Glaubenslehre entnehmen können: Hebräer 1,1—3. Apostelgesch. 2, 22—36; 3, 13—26; 4, 9—12; 10, 36—43; 13, 23—41; 17, 30 f.; 20, 21; 22, 12; Markus 16, 16; Matthäus 20, 28; 26, 28; Römer 3, 25; 1. Korinther 15, 3; 2. Korinther 5, 21; Kolosser 1, 20 — 22; 1. Petri 2, 24; 1. Joh. 1, 4; 2, 2; 4, 10. Es würde mich sehr freuen, wenn ich bald wieder von Ihnen hören dürfte. II. Was Sie über das Christentum eines Juden schreiben, kann ich nicht unwidersprochen lassen. Ihre Ansicht ist mir nicht neu. Seitdem ich angefangen habe, mit Israeliten religiöse Gespräche anzuknüpfen, hat man mir immer wieder die Behauptung entgegengeschleudert: Ein Jude kann nicht aus Überzeugung Christ werden. Ich werde nicht müde werden, dies Vorurteil — mehr ist eine solche Behauptung nicht — mit aller Entschiedenheit zu bekämpfen. Zahlreiche Beispiele edler Konvertiten stehen mir zur Seite. Möge Ihnen auf Ihrem Lebensweg bald ein Mann