Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 42 (1886)
- Issue
- 5 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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38 gegenüber der Macht des muhammedanischen Unglaubens, unter dem Palästina seufzt, nicht einmal groß stehen wir auf dem Plane gegenüber den andern christlichen Konfessionen, die ihre kirchlichen Vorposten ebenfalls in Bethlehem und am Fuße des Zion stehen haben, wir besitzen keine reichen Klöster, noch edelsteingeschmückte Altäre und goldene Lampen in Kirchen und Kapellen, wir haben weder Patriarchen noch Scharen von Mönchen, aber Eines ist auf unserer Seite: Wir kommen im Namen des Herrn, im Namen dessen, der uns gesagt hat: „Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater", und der uns auch seinem Heimatlande gegenüber den Befehl gegeben hat: „Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes!" III. Aus dem Schlußwort von Oberhofprediger O. Kögel. Jerusalems Geschick ist Israels Geschichte. Die Blüte der heiligen Stadt ist die Krone des auserwählten Volkes, der Fall der entweihten Stadt Israels Fall. Von Jerusalems Tempel ist kein Stein auf dem andern geblieben, und die zwölf Stämme Israels sind in alle vier Winde zerstreut. Die Stadt des großen Königs ist nach einander durch Römer und Perser, durch Sarazenen und Türken in den Staub getreten, und Gottes Bundes-, Erb- und Eigentumsvolk, seit es angesichts seines Messias gerufen: „Wir haben keinen König denn den Kaiser. Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!", ist ein Überall und Nirgends . geworden, fremden Völkern und Verfassungen unterthan, dabei noch immer unzerstört und unvermischt. Ursprünglich sollten Israels Zeiten bleibende-sein! Psalm 81, 14—16 verheißt: „Wollte mein Volk mir gehorsam sein und Israel auf meinen Wegen gehen, — ihre Zeit würde ewiglich währen!" Nun aber sind Israels Zeiten durch die Zeiten der Heiden unterbrochen (Luk. 21, 24); nach göttlichem Gericht (Matth. 8, 11. 12 und 21, 43) hat das Königreich Gottes mit der Kirche einstweilen den Juden genommen und den Heiden gegeben werden müssen. Der letzte Bericht der britischen Bibelgesellschaft erzählt, wie jüngst Juden auf der Landstraße nach Babylon am Tigris — vielleicht an der Stelle, wo sie vor Jahrtausenden verstummte Harfen an Trauerweiden aufgehängt, um nicht das Lied von Zion im fremden Lande anzustimmen — aus der durch Prof. Delitzsch verfaßten hebräischen Übersetzung des Neuen Testaments jene Stelle in Jesu Abschiedsreden mit heißen Thränen angehört, wo Jerm salems Schuld verklagt und Jerusalems Fall beklagt wird: „Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die