Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 42 (1886)
- Issue
- 5 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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39 zu dir gesandt sind! Siehe, euer Haus soll euch wüste gelassen' werden!" Wenn im heutigen Jerusalem am Freitagabend der Anbruch des Sabbats gefeiert wird, dann findet man an den Mauern des Berges, auf dem einst der Tempel gestanden, arme Juden sitzen und einander ihre liturgischen Chorgesänge zujammern: „Wegen des Tempels, der zerstört ist, wegen der Priester, die gestrauchelt haben, — da sitzen wir einsam und weinen!" Und auch für dies traurige Vorrecht, da weinen zu dürfen, wo ihre Väter als Priester geopfert, als Könige geherrscht haben, müssen sie den Türken eine Steuer zahlen. Kann es einen augenscheinlicheren Beweis geben: Jerusalem ist zertreten, noch dauern die Zeiten der Heiden! Aber wie nach dem Bann von Eis und Schnee der Frühling kommt und die Erde sich verjüngt, so wird der Erfüllung des angedrohten Fluches die Wiederkehr des Segens folgen. Eine Zeit wird kommen, wo Jerusalem nicht mehr „die Verlassene" heißen, nicht mehr zertreten sein wird, wo Israel, das lang verblendete, nicht mehr am Kreuze seines Messias vorbeiirren, sondern in sich schlagen und Den anbeten wird, in den sie gestochen haben. Nicht durch den Glanz seines Goldes, nicht durch die Geschicklichkeit seiner Presse, sondern durch die Inbrunst seines nachgeholten Glaubens tritt in künftigen Tagen Israel in die Reihe der christlichen Nationen ein. Röm. 11, 25. 26. Jene selige Zeit herbeiführen zu helfen, dazu will auch unser Jerusalemsverein mit seinen kleinen, aber nicht ungesegneten Handreichungen dienen. - Vom Hamburger Missionsfeld. Missionar Mühlenbruch, jetzt in Konstantinopel, früher in Hamburg angestellt, berichtet von der am 13. November v. I. stattgehabten Taufe einiger seiner früheren jüdischen Zöglinge, eines Mannes, seiner Frau und seiner fünf Kinder. Er schreibt: Ungefähr vor vier Jahren wurde ich mit dieser Familie bekannt und gebeten, ihr christlichen Unterricht zu geben. Ich that dies mit Freuden 1881—82. Doch befand sich Herr L. in jener Zeit in großen Geldverlegenheiten, die unüberwindliche Hindernisse wurden, da seine Verwandten, die von seinem Verlangen, Christ zu werden, Kenntnis erhielten, ihn verfolgten, statt ihm aus seiner Verlegenheit zu helfen. Sie erklärten, wenn er jeden Gedanken, getauft zu werden, aufgeben und seine Kinder im Mischen Glauben erziehen wolle, so würden sie ihm freudig helfen und in jeder Weise beistehen. Trotz seiner überaus großen Not weigerte sich jedoch Herr L. solche Hilfe anzunehmen, und wollte lieber alle Folgen tragen. Er