Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 42 (1886)
- Issue
- 5 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2554541-2554914-2554920--08485-2564519- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der alte Schreckensruf: „Die Philister über dir, Simson!" ist von jener Zeit an nie mehr verstummt, und Philister über Philister sind die Türken geblieben, als Mehemed Ali und Ibrahim Pascha von Ägypten im Siegesläufe heranstürmten und sich zu Vicekönigen machten. Zwar loderte in den vierziger Jahren unseres Jahrhunderts ein Aufftand dagegen empor, allein mit Hilfe der Österreicher und Engländer wurde die Oberhoheit der Pforte und manches Schlechte ihres verderblichen Verwaltungssystems wieder zurückgeführt. Und was ist aus dem heiligen Lande des Altertums geworden? Das schöne, fruchtbare Land, auf dem die Augen Gottes ruhten immerdar vom Anfang des Jahres bis zu seinem Ende, in dem kein Monat im Jahre ohne Früchte oder Blumen und Blüten vorüberging, dies Land, in dem sich die reichsten Gersten- und Weizenfelder dehnten, in dem die Olivenhaine wuchsen und die Dattelpalmen reichlich trugen, wo die köstlichsten Früchte der Aprikosen- und Äpfel-, der Granat-, Mandel- und Feigenbäume gefunden wurden, in dem die Weintrauben in größter Menge und Güte in den von blühendem Cactus eingefaßten Gärten reiften, wo auf Bergen und Hügeln die ergiebigsten Öl- und Rebenanlagen waren, in dem die Balsamplantagen gehegt'wurden, wo die herrlichsten Viehtriften für die Viehzucht den einträglichsten Erwerb abgaben, wo außer dem Getreidelande die schönsten Waldungen von Eichen, Terebynthen und Kiefern schatteten, wo eßbares Wild in den Forsten wimmelte und die Gewässer Fische in Überfluß nährten, — dies Land der Lilien, Narzissen und Rosen, welches von einer zahlreichen Bevölkerung bewohnt wurde, dessen waffenfähige Mannschaft unter David schon über eine Million streitbarer Männer betrug, — wie stellt es sich jetzt dar?? Derselbe Himmel wölbt sich zwar noch nach wie vor über demselben, aber welch trauriger und auffallender Kontrast liegt in dem jetzigen Zustande des Landes mit dem biblischen Bilde des Landes! Weite Strecken des Landes sind wüste Einöden, fast alle bewohnten und ehemals so blühenden Orte sind nur große Dörfer, und traurig erinnern nur noch zahllose Ruinen, die dicht bei einander liegen, an die früher so bevölkerten Gegenden. Die grauenvollen Kriege haben von der Zerstörung Jerusalems an bis auf unsere Tage herunter das Land verwüstet und verödet, die Wälder sind ausgerodet und die Bäume niedergeschlagen und verbrannt, die fruchtbare Feuchtigkeit hat abgenommen und sonnverbrannte Breiten dehnen sich dort, wo früher die herrlichsten Pflanzen und Blumen in üppigster Pracht und Fülle wuchsen. Und was noch viel schlimmer ist, die Bewohner des Landes sind zu einem trägen und gleichgültigen. Sklavenvolke herabgesunken!