Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 42 (1886)
- Issue
- 5 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554914-2554920--08484-2564518- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jahren auf Ägypten lastete, hat Gott seine unermüdliche Arbeit gesegnet und ihn die bedeutenden Mittel dafür sammeln lassen. Wohin wir jetzt nach 40jähriger Arbeit das Auge richten: die Wächter im Morgenlande haben ihre Stimme erhoben, Tausende und aber Tausende haben gebetet und gefleht für das Heil der heiligen Stätten, und der Herr im Himmel, im Sitz seiner Wohnung, hat die Gebete erhört, und schon beginnt Jerusalem, das heilige Land, zum Lobe gesetzt zu werden auf Erden. Aber die Wächter rufen immer lauter, und der reich gesegnete Anfang fordert Fortsetzung; möge die deutsche evangelische Kirche wachsen in der Treue des Gebetes und in freudig aufopfernder Arbeit! Der Jerusalemsverein hatte im Jahre 1885 eine Einnahme von 28 402 Mark, aber eine Ausgabe von 31655 Mark, so daß wir wiederum ein Deficit von 3253 Mark haben, das wir nur von dem eisernen Bestände verschießen konnten. II. Aus der Festpredigt von Oberkonsistorialrat Hofprediger Bayer über 1. Sam. 17, 45. Die Evangelisierung des heiligen Landes, welcher der Jerusalemsverein an seinem geringen Teile dienen will, ist im letzten Grunde nichts anderes als ein Feldzug wider den Philister Goliath, diesen großmäuligen Recken des Unglaubens, der das Land der Verheißung, darinnen sonst Milch und Honig floß, in seinen Besitz genommen hat und sich breit daselbst lagert. Ja, zu unseren Zeiten ist die Lage des Israels Gottes in jenem Lande noch weit kläglicher als zu Davids Tagen. Die Greuel der Verwüstung haben sich erfüllt, die Juden haben mit der Zerstörung Jerusalems ihre nationale Selbständigkeit völlig verloren und leben ohne vereinigenden Mittelpunkt unter allen Völkern; über ihr Heimatland kamen Philister anderer Art. Die kurze Herrschaft der christlichen Kaiser, unter denen nach den Römern die Christen im Lande der Verheißung die Oberhand gewannen, war nur ein schwaches Aufglimmen neuer Lebenshoffnung für die heiligen Stätten, denn schon im Jahre 636 entfaltete sich unter dem Khalifen Omar im arabischen Glutwinde die Fahne des falschen Propheten Muhammed, und der goldene Halbmond blieb derselbe, als 1083 die seldschukischen Türken die Araber verdrängten. Wohl hat Gottfried von Bouillon in den Kreuzzügen ein Königreich Jerusalem gegründet, aber als Akko, das letzte Bollwerk abendländischer Glaubensbegeisterung, gefallen war, im Jahre 1291, da ist das heilige Land nie wieder unter christliche Herrschaft gekommen; 1382 ging es von den mamlukischen an die tscherkessischen Sultane über, bis der türkische Sultan Selim I. es im Jahre 1517 unter die Gewalt der Osmaniden brachte.