Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 42 (1886)
- Issue
- 4 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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seine Bemühungen zur Heiligung des Sabbaths auch von Rabbinern wenig unterstützt werden. Der Montefioreverein*) ist seit Ostern 1885 in der Lage, 8 arme Kinder in höheren Schulen unterzubringen. Auf der siebenten Generalversammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen wurde es als unerläßliche Pflicht der jüdischen Gemeinden und ihrer Lehrer bezeichnet, dafür zu sorgen, daß solche jüdische Schüler, die den Sabbath- Morgengottesdienst nicht besuchen können, sich an einem Nachmittagsgottesdienst beteiligen. Rabbiner Joöl redete über die Opfer und die Stellung der Schule zu denselben, vr. Seligmann behandelte die Entwicklungsgeschichte der jüdischen Religionsschule. — Besonders regsam ist die jüdische Gemeinde in Frankfurt a. M. Aus ihrem bedeutenden Vermögen werden mancherlei Wohlthätigkeitsbestrebungen unterstützt. Man sorgt für unbemittelte Schüler und Lehrer, für die Unterweisung in der Thorah, für die Aussteuer armer Jungfrauen. Im Rechnungsjahr 1883/84 nahm die Kultussektion für den Gottesdienst, die Fleischhallen, das rituelle Bad, den Friedhof 65900 Mk. ein. Die Stiftungssektion umfaßte 16 verschiedene Stiftungen. Für das Schulwesen wurden 92 500 Mk. vereinnahmt, 98 200 verausgabt. Neben der jüdischen Realschule besteht eine Volksschule mit ca. 150 Knaben und Mädchen. Unter den zahlreichen Vereinen pflegt einer die Kenntnis der jüdischen Geschichte und Litteratur. Im September 1885 erging von Frankfurt, zunächst auf Anregung des Rabbiners Hirsch, ein Aufruf zur Bildung einer freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums. Frankfurt ist auch der Hauptsitz der Gesellschaft zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina, die jährlich etwa 10,000 Mk. aufbringt und für 30 Kinder in Jerusalem Sorge trägt. — Die einzige israelitische Waisenanstalt in Baiern, die in Fürth, gegründet 1763, hat sich dank der Unterstützung eines reichen Nürnberger Gönners so erweitert, daß auch Mädchen ausgenommen werden können. — Der Redakteur des „Hammelitz", Zederbaum in Petersburg, giebt jetzt auch eine illustrierte hebräische Zeitung, Mitzwah, heraus. Die Zahl sämtlicher, auf jüdischer Seite erscheinenden Blätter (in Europa, der asiatischen Türkei, Amerika und Australien) wird auf 70 angegeben. Hiervon entfallen 20 auf Österreich. Die Montefiore-Gesellschaft zur Kolonisation Palästinas hat 51 Zweigvereine — außer 3—4 lauter russische, — 10,000 Mitglieder und 40000 Rubel jährliches Einkommen- — Wie in Berlin, so arbeitet auch in Wien ein Verein darauf hin, die Verbreitung der Handwerke unter Juden zu fördern. *) Sir Moses Montefiore starb am 28. Juli 1885.