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Dibre Emeth · 1886-01-01 · 3 (1886) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
42 (1886)
Issue
3 (1886)
Date
1886-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Gespräch zusammen. Als ich ihn traf, sagte er: „Was, Sie schon wieder! Ich glaubte, Sie hätten das erstemal genug gekriegt. In meinem Laden werden Sie die Ware, die Sie verlangen, nicht finden." Ich erwiderte sofort: „Nehmen Sie dieses Neue Testament und lesen Sie etwas daraus! Ich will still schweigen; das Buch wird für sich selbst wie für mich zeugen." Einer von den Commis (alle im Laden waren Juden) nahm es, schlug es auf und fing an daraus vorzulesen. Plötzlich hielt er inne und wurde ganz verlegen. „Lesen Sie weiter!" sagte der Besitzer des Geschäfts. „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Von dem Herrn ist das geschehen, und es ist wunderbarlich vor unseren Augen." (Matth. 21, 42.) So las der Commis. Der Jude wurde jetzt auch ganz verlegen. „Ich fürchte, mein guter Freund," sagte er, „daß wir wieder auf den alten Gegenstand kommen werden, über den wir uns nicht einigen konnten." Der Commis aber sagte, er möchte gern das Buch kaufen. Ein anderer folgte seinem Beispiel. Zuletzt kaufte der Besitzer selbst ein Exemplar. Er wiederholte sich immer und immer wieder: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben." Ehe ich fortging, war er ganz freundlich gegen mich geworden. Ich konnte sehen, mit welch' mächtiger Gewalt dieses Wort ihre Herzen ergriffen hatte. Sie sahen einer den andern verwundert an. Es wurde viel über Gottes Heilsplan gesprochen und ich bin überzeugt, daß Gott ein Werk in diesen Seelen vorhat." In Wolhynien wohnt eine große Anzahl von Juden. Als ein Kolporteur nach der Stadt Ostrog kam, hatte er nur noch 5 einzelne Evangelien in jüdisch-polnischem Dialekt. Diese Bücher wurden in der ganzen Stadt bekannt*), und alt und jung, Männer und Frauen kamen zu dem Kolporteur, um das Buch von Jesus zu kaufen. Er mußte vielen versprechen, es das nächste Mal mitzubringen. In Transkaukasien erlebte ein Kolporteur Arutinoff etwas, was er so beschrieben hat: „Ich betrat den Laden eines Uhrmachers. Er hatte Lust, ein Neues Testament zu kaufen, fürchtete aber, daß meine Bücher nicht richtig wären. Ein Jude, der Hauswirt des Uhrmachers, besah sich meine hebräischen h. Schriften und kaufte einen Psalter. Doch der Armenier, der zugegen war, sagte: „Kaufe diese Bücher nicht; es sind Farmasion- (Freimaurer-) Bücher." *) Wie es dabei zugeht, kann ich aus eigener Erfahrung in Russisch- Polen beschreiben. Ich hatte in einer Stadt eine Anzahl von hebräischen einzelnen Evangelien verbreitet. Die Juden lasen sofort auf der Straße darin, andere kamen hinzu, blickten auch hinein, und einer riß dem andern das Büchlein weg, so daß zuweilen Scenen entstanden.

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