Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 42 (1886)
- Issue
- 2 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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12 ich Weisheit und Bildung finden kann?" Diese aufrichtige Sprache gefiel mir sehr, und ich setzte ihm den Heilsplan Gottes zu unserer Erlösung aus dem Alten und Neuen Testamente ausführlich auseinander. Und da er viel von Weisheit und Bildung sprach, so machte ich ihn auf Jeremia 9, 23. 24 und auf Psalm 111, 10 aufmerksam und legte ihm die menschgewordene Weisheit Gottes ans Herz, die uns die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, erworben hat. Dann sprach er den Wunsch aus, das Neue Testament studieren zu wollen; aber sein Brotherr, für den er von 8 Uhr morgens bis IO Uhr abends als Buchhalter arbeiten müsse, erlaube ihm kein Buch in die Hand zu nehmen. Ich schenkte ihm dennoch ein russisches Neues Testament und zwei russische Bücher, da er diese Sprache am besten versteht. Beim Weggehen sagte er wiederholt: „Ich kann nicht Kaufmann bleiben um des Gewissens willen, denn die meisten jüdischen Kaufleute leben nur vom Schwindel." Erst nach einigen Monaten gewann ich soweit sein Vertrauen, daß er es wagte, mir seinen wirklichen Namen zu offenbaren. Artus. Der neuangestellte Seelsorger der deutsch-evangelischen Gemeinde zu Jerusalem, Pastor Schlicht, spricht sich in einem Briefe vom 19. August 1885, welcher in den „Neuesten Nachrichten aus dem Morgenlande" (1885, S. 161 ff.) veröffentlicht wird, eingehend über diese vielgenannte Missionskolonie aus. Wir entnehmen dem Schreiben folgendes: Als im Jahre 1882 Tausende von jüdischen Auswanderern aus Rußland und Rumänien in Palästina mittellos ankamen, erklärten ihre palästinensischen Brüder, daß sie ihnen in keiner Weise helfen könnten, und überließen sie dem Schicksal, durch Hitze und Hunger umzukommen. In dieser äußersten Verzweiflung wandten sich einige an die Judenmissionare in Jerusalem, und obschon diesen keine Mittel für solche Fälle zu Gebote standen, nahmen sie sich doch der Armen im Glauben an. Dieser Glaube wurde reichlich belohnt, indem zuerst von evangelischen Christen in Jerusalem und Jaffa, dann aber in weiteren Kreisen in allen Teilen der Welt die nötigen Mittel zum Unterhalt der verhungernden Emigranten zur Verfügung gestellt wurden. Durch den so begründeten Flüchtlingsfonds (Refugee Fund) wurden vom Mai 1882 bis zum November 1883 über 2000 Emigranten auf die verschiedenste Weise je nach ihren Verhältnissen unterstützt. Diese Hilfe, durch die zwingende Liebe Christi unternommen, war freilich zunächst eine rein äußerliche, und die Missionare sahen O