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Dibre Emeth · 1886-01-01 · 2 (1886) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
42 (1886)
Issue
2 (1886)
Date
1886-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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11 haben höchst wahrscheinlich den Leichnam Jesu gestohlen, und die Christen glaubten, er wäre auferstanden." — Ich: „Warum haben denn die Juden den Leichnam Jesu der Welt nicht gezeigt, um die Jünger Jesu, welche den Auferstandenen aller Welt predigten, zu Schanden zu machen?" — Dr. L.: „Dann müssen die Jünger selbst den Leichnam Jesu gestohlen haben." — Ich: „Diese Rede ist schon sehr alt. Halten Sie aber die schlichten und schüchternen Jünger eines solchen Verbrechens, ja Betrugs, fähig?" — Dr. L.: „Das sieht ihnen allerdings nicht gleich! Aber dann muß er nur scheintot gewesen sein, wie soll ich es mir sonst denken?" — Ich: „Kann ein Mensch, dem man die Seite mit einer Lanze durchstochen und die edelsten Teile des natürlichen Lebens tödlich verwundet hat, noch scheintot sein? Und wer hat dem Scheintoten, der doch so schwach und entkräftet gewesen sein muß, den schweren Stein vom Grabe gewälzt? Und wenn er am Kreuze garnicht gestorben war, so muß er doch später einmal gestorben sein! Können Sie mir nicht gefälligst sagen, wann? wie? und wo er wirklich gestorben ist?" — Dr. L. schwieg eine Weile, dann ergriff er meine Hand und sagte: „Ja, die Thatsache der Auferstehung Jesu steht gewaltig da in der ganzen Kirchengeschichte, und ich weiß wirklich keinen vernünftigen Grund dagegen vorzubringen, und doch fällt es mir so schwer zu glauben." — Da nun unsere Wege auseinander gingen, und wir uns trennen mußten, so rief ich ihm noch zuletzt zu: „Wir nehmen gefangen alle Vernunft unter den Gehorsam Christi!" (2 Kor. 10, 5.) Welche Angst ein nach Wahrheit forschender Israelit aussteht, und welche Vorsicht er braucht, ehe er sich entschließt, den Missionar zu besuchen, soll das folgende Beispiel zeigen: E. L., ein junger intelligenter Kaufmann aus Kowno, schrieb zuerst einen anonymen Brief an den Verwalter des hiesigen Bibel-Depots und fragte denselben, ob er nicht ein Missionar wäre, und ob er ihn nicht besuchen dürfe? Der Verwalter schickte ihm durch den in seinem Brief genannten Kiosk meine Adresse. Bald darauf empfing ich auch 2 anonyme Briefe, mit der Frage, wann und wo er mich besuchen und sprechen könnte. Die Antwort sollte ich wieder in einem andern Kiosk abgeben. Endlich erschien er selbst und stellte sich mir als den Anonymus vor mit dem folgenden Bekenntnis: „Ich bin schon seit drei Jahren kein Jude mehr, da ich am Judentum Schiffbruch gelitten habe, und doch fühle ich in mir das Bedürfnis, eine Religion zu haben. Ich glaube noch nicht an Christum, aber ich wünschte, ich könnte an ihn glauben, denn meine Seele ahnt, er müsse der Quell aller Weisheit sein. Bitte, zeigen Sie mir den rechten Weg und raten Sie mir, wie und wo

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