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Dibre Emeth · 1886-01-01 · 2 (1886) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
42 (1886)
Issue
2 (1886)
Date
1886-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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10 Ich wohne gegenwärtig mit meiner ganzen Familie in Berlin, daher lassen wir uns dort alle unterrichten und taufen; dieser mein ältester Sohn aber lebt in Warschau, darum, bitte, thun Sie an ihm diese Barmherzigkeit und machen Sie aus ihm einen guten Christen." Der Sohn bestätigte seines Vater Bitte und bat mich, ihm eine Stunde bestimmen zu wollen, wann er zum Unterricht kommen könnte. Mit freudigem Herzen erfüllte ich den Wunsch des Vaters und seines Sohnes und unterrichtete letzteren bis zum 12. Juni. Der junge Mann lernte fleißig Gottes Wort Alten und Neuen Testaments und den Katechismus. Die Mission brauchte während des Unterrichts und auch sonst gar keine Auslagen für ihn zu machen, was hier zu Lande nur selten vorkommt. Seine Eltern und Geschwister wurden in Berlin unterrichtet und sind fast zu gleicher Zeit mit dem Sohn hier fertig geworden. Am 8. Juni empfingen die Eltern, 3 Brüder und 2 Schwestern, zusammen 7 Personen, in Berlin die heilige Taufe, und 4 Tage später, am 12. Juni, wurde auch der älteste Sohn auf dem Missionsfeste zu Wiskitki bei Warschau getauft. Die Taufhandlung war sehr feierlich. Die große, schöne Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt. Selbst der russische Kreis-Chef war auch anwesend. Die große, zahlreich versammelte Missionsgemeinde bewies ihre Teilnahme durch eine lautlose Stille und durch ihre Fürbitte für den Täufling. — Nach der Taufe kam der alte Vater aus Berlin nach Warschau, um mir herzlich dafür zu danken, daß ich seinem erstgeborenen Sohn den Weg des Heils gezeigt — und ihn zu Christo geführt habe. Dabei flössen dem greisen Vater große Thränen in den weißen Bart herunter. Es waren Thränen des Dankes und der Freude, daß nun die ganze Familie der Kirche Christi einverleibt worden ist. Sein Sohn aber, der nun Christian heißt, bewies seine Dankbarkeit dadurch, daß er meinen Kindern allerlei Geschenke brachte. Im August besuchte ich diese Familie in Berlin und lernte auch die übrigen Glieder derselben kennen. Seit zwei Jahren besuche ich von Zeit zu Zeit einen jüdischen Arzt, Namens L. Er hörte oft aus meinem Munde das Evangelium, aber bis Ostern dieses Jahres glaubte ich, daß sein Herz tot, kalt und eisenhart wäre, da meine Worte gar keinen Eindruck auf ihn zu machen schienen. Als ich aber am ersten Ostertag dieses Jahres in die Kirche ging, fand ich dort zu meinem größten Erstaunen auch meinen Dr. L., der in die Kirche gekommen war, um eine Osterpredigt zu hören. Nach dem Gottesdienste wartete 'er auf mich beim Ausgang aus der Kirche, und wir gingen eine Strecke zusammen. Unterwegs war sebstverständlich die Auferstehung des Herrn der Gegenstand unser Unterhaltung. Dr. L.: „Die Juden! I

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