Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 41 (1885)
- Issue
- 11 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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bedrohten. Er blieb in dieser Not voll des Friedens, welcher höher ist, als alle Vernunft. Eine andere Reise führte unfern Freund in die Krimm. Stern unternahm sie nach den schrecklichen Kämpfen, die dort stattgefunden hatten. Er wünschte die karaitischen Juden aufzusuchen. Im Begriff, eine weitere Missionsreise nach Bulgarien und Rumänien zu unternehmen, erhielt er vom Komitee die Aufforderung, sich nach Abyssinien zu wenden. So reiste er mit einigen Mitarbeitern im Herbst 1859 von Konstantinopel ab. Fünf mühevolle, schwere Monate waren erforderlich, um den Ml hinauf und durch den Sudan an die Grenzen von Abyssinien zu gelangen. Und ungefähr achtzehn Monate vergingen in einer Thätigkeit, welche spätere Ereignisse als eine mit Früchten gesegnete bezeichneten. Die Festigkeit, das richtige Urteil und die selbstlose Hingebung des Missionars entwaffneten die Vorurteile und verminderten den Widerstand. Er kehrte zu seiner Arbeit in Konstantinopel mit dem Bewußtsein zurück, daß der Herr große Dinge gethan hatte, und daß unter den vernachlässigten Falaschas viele dem Glauben gehorsam und tüchtig geworden waren, selbst das Evangelium weiter auszubreiten. Nun wurde Stern aufgefordert, England wieder zu besuchen, um vor den Freunden der Gesellschaft die Wichtigkeit des Werkes, welches das Komitee in Abyssinien begonnen, zu beleuchten. 1862 ging er zum zweitenmal dorthin. Die Ereignisse dieser Reise sollten in ihrem Verlauf und Ende eine wichtige Episode in der Geschichte Englands bilden. Der Missionar wurde überall herzlich willkommen geheißen. Seine Einrichtungen fanden bereitwillige Annahme. Er war schon daran, heinrwärts zu reisen. Da erregte plötzlich ein Sturm die politische Atmosphäre. Der halbheidnische König von Abyssinien hatte vergebens gesucht, diplomatische Verbindungen mit England anzuknüpfen. Der englische Consul Cameron hatte ihn immer wieder mit Versprechungen hingehalten, welche seine Regierung doch nie bestätigte. Als nun Stern in die Nähe des königlichen Lagers kam und dem Könige einen Abschiedsbesuch machen wollte, war derselbe grade wütend über die Vernachlässigung, die er seitens der britischen Regierung erfuhr. Stern wurde gefangen gesetzt und die anderen Europäer, mit Einschluß des Consuls, teilten dasselbe Los. Der Raum verbietet uns die weitere Erzählung der Einzelheiten. Die Gefangennehmung erfolgte am 13. Oktober 1863, und erst am 11. April 1868 kämen die Gefangenen wieder los. Nur die allmächtige Kraft und Treue des Gottes der Gläubigen hielt sie während dieser leidensvollen Jahre aufrecht. Die Briefe, welche es ihnen gelang, von Zeit zu Zeit nach England zu schicken, atmeten den Geist des Glaubens, der Ergebung und