Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 41 (1885)
- Issue
- 11 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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seiner Seele anfachen, wie er mein irdisches erhalten hat! Ihr müßt mir für ihn beten, treulich beten helfen im Vertrauen auf das Wort des Herrn: „Wenn zwei eins werden — um was sie bitten, das soll ihnen gegeben werden."" Der jüdische Jüngling ist ein häufiger und gerngesehener Gast im Witwenhause auf dem „Sand". Er entzieht sich nicht ernsten Gesprächen. „Es ließ sich gut mit Josef disputieren; er wurde nicht heftig. Er glich dem edlen Wein, der inwendig feurig, doch auf der Zunge mild ist." Die Freunde zeigen ihm den Weg, auf welchem seine Sehnsucht nach Frieden gestillt, sein Schmerz um Israels Untergang gehoben werden kann. „Jesus Christus, Gottes Sohn, der unser Bruder worden ist," wird ihm als der Frieden und Glück bringende Heiland verkündigt. Als Josef in Berlin Medizin studiert, legt er in einem Schreiben an Gottfried ausführlich die Bedenken dar, welche ihn noch vom christlichen Glauben zurückhalten. Der junge Theologe wird durch eine Unterredung mit einem alten adligen Herrn befähigt, dieselben zu widerlegen. Noch mehr aber wirkt auf den Sohn Abrahams die liebevolle Fürsorge ein, welche seine Verwandte, Naemi, von seiten der Schwester Gottfrieds genießt. „Ihr Liebesgesetz, bekennt er, ist tiefer, reiner, seliger als das unsere; es ist höher, wie der Himmel höher ist als die Erde." Der Befreiungskrieg des Jahres 1813 findet auch Josef und Gottfried unter der Fahne. Beide sind den freiwilligen Jägern beigetreten und streiten tapfer an der Katzbach und bei Leipzig. In Mußestunden lesen sie mit einander die Apostelgeschichte. Die jüdischen Vorurteile schwinden immer mehr, wie der Nebel vor der Sonne. Josef erkennt in Jesu den verheißenen Messias und weint um sein Volk, daß es ihn gekreuzigt, um sich selber, daß er ihn nicht früher gekannt hat. Mit tiefer Bewegung liest er am Vorabende der Schlacht von Laon die Erzählung von dem Kämmerer der Königin Kandaze (Ap.-G. 8, 26—40). Im Gefecht schwer verwundet, verlangt er nach der heiligen Taufe. „Als das Taufwasser die bleiche Stirn des todeswunden Jünglings benetzte, warf die Sonne ihren letzten Strahl durchs Fenster, daß die heiligen Tropfen wie Himmelstau erglänzten. . . Jetzt lag Friede, seliger Friede und Freude, himmlische Freude in seinen dunkeln, sehnsuchtsvollen Augen." Der Sterbende bittet den treuen Kameraden, der. so viel für ihn gebetet, nicht aufzuhören, für sein Volk zu beten. „Gottes Barmherzigkeit nimmt wohl hie und da einen Weizenhalm: das große Feld ist darum noch nicht geerntet. Aber der Herr wird Israel wieder einpflanzen, wie Paulus sagt; er hat sein Volk nicht verstoßen. Die Zeit wird kommen, . . wo sie tiefe Buße thun werden,