Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1885-01-01 · 10 (1885) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
41 (1885)
Issue
10 (1885)
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2554892-2554903--08419-2564450
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

77 /'-': Jesuitenpriester eine Strafpredigt über ihre Hartnäckigkeit, ihre Unbußfertigkeit und ihren Unglauben anhören. Bei diesen gezwungenen Kirchgängen, bei der Erinnerung au vergangene und gegenwärtige Verfolgungen und bei den so bedenklichen Bräuchen der römischen Kirche konnten die so erlangten Bekehrungen weder zahlreich noch aufrichtig sein. Wenn man aus dem Ghetto tritt, kommt man an eine Kirche, über deren Eingang in hebräischer und lateinischer Sprache die Worte stehen: „Ich breite meine Hände alle Tage gegen ein widerspenstiges Volk aus." Hier soll alljährlich ein Jude getauft worden sein. Aber es wird erzählt, daß es oft immer wieder derselbe war. Unserer Gesellschaft war es Vorbehalten, einen besseren Weg zu zeigen. 1855 ging Prediger Lauria, ein bekehrter Rabbiner, von Jerusalem nach Turin. Aber erst 1859 und 1860, nach den Schrecken des Krieges, wurde Italien ganz offen für die evangelische Mission. Mailand, Parma, Bologna wurden von Missionaren besucht, und diese konnten das Evangelium ungehindert predigen. In Modena, Mailand und Triest hat Prediger Cotter 13 Jahre hindurch treu und unermüdlich gearbeitet. Auch jetzt ist ein Kolporteur der Gesellschaft dort, der immer wieder berichtet, daß durch das Lesen der Bibel und der Traktate viele jüdische Vorurteile gegen das Christentum gebrochen werden. 1871 wurde Prediger Burtschael nach Rom geschickt. Seine Arbeit bestand vornehmlich in den Hausbesuchen, die er im Ghetto abstattete. Durch seinen Wandel und seine Lehre gewann er viele Freunde. Sein Gedächtnis wird von den Juden treu bewahrt. Noch heute bittet mancher um seine Photographie, und in vielen Häusern, auch in dem des ersten Rabbiners, ist sein Bild zwischen den Schätzen des Hauses aufgestellt. Frau Burtschael setzt seit 1879 das Werk ihres verstorbenen Gatten fort. Es wird jetzt in fünf verschiedenen Abteilungen Lehr- und Arbeitsunterricht erteilt. In der Arbeitsklasse für Frauen haben in 6 Jahren über 50 Jüdinnen christlichen Unterricht erhalten. Durchschnittlich wird sie von zwanzig besucht. Die Frauen werden hier mit dem Christentum bekannt gemacht, indem man sie in einem anständigen Broterwerb unterweist. Für viele dieser Schülerinnen ist Christus bereits die einzige Hoffnung der Seligkeit. Seit zwei Jahren besteht die Abendschule im Ghetto, welche auch von angesehenen Juden besucht wird. Biblische Geschichte, Gebetslieder und abwechselnd französische und englische Sprache werden hier von dem Missionsgehilfen Arias zweimal in der Woche, abends um 7 Uhr, gelehrt. Die Erwachsenen haben oft

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.