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Dibre Emeth · 1885-01-01 · 10 (1885) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
41 (1885)
Issue
10 (1885)
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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sie, er möchte sich in einer der wenigen höheren Berufsarten auszeichnen, die damals den Juden offen standen. Sie schickten ihn in eine gute Schule in Frankfurt a. M. Dort blieb er vom 11. bis zum 14. Jahre. Die Eltern siedelten ebenfalls nach Frankfurt über und wohnten in der berühmten, malerischen „Judengasse". Der Umgang mit jungen Leuten des Kaufmannstandes lenkte den jungen Stern in diese Richtung, und seine Eltern gaben mit vielem Widerstreben ihre Einwilligung zu der Wahl des kaufmännischen Berufs. Sie hätten lieber gesehen, er wäre Arzt geworden: Mit 17 Jahren führte ihn seine Stellung nach Hamburg. Hier kam er öfters an einem Hause vorüber, wo der damalige Missionar Moritz wohnte und in einem Glaskasten hebräische und deutsche Bücher zum Verkauf ausgestellt hatte. Die offen gelegten Blätter zogen die Aufmerksamkeit des Jünglings an, und immer wieder müßte er stehen bleiben, um ihren Inhalt zu lesen. Er erfuhr durch Fragen, daß der Eigentümer des Glaskastens ein Mann sei, welcher die Bekehrung der Juden zum christlichen Glauben suche. Er erkannte aus den christlichen Büchern, daß das Glaubensbekenntnis der Christen weit vernunftgemäßer sei, als das beschwerliche Formenwesen des Rabbinismus. Einen tieferen Einfluß übte jedoch dies Erlebnis auf ihn nicht aus. Als dem jungen Manne eine guter Platz in London angeboten wurde, ging er (1839) dorthin, aber der Bankerott der Firma vernichtete seine Hoffnungen. Der heilige Gott wollte ihn durch diese schwere Prüfung auf einen besseren Weg leiten. Sein Stolz verbot ihm die Rückkehr nach Hamburg oder Frankfurt; seine Mittel waren erschöpft und seine Zukunft lag dunkel vor ihm. Da forderte ihn ein Bekannter eines Sonntags auf, ihn nach der Palestine-Place-Kirche zu begleiten, wo sie Gelegenheit haben würden, die zu sehen, die sie „Apostaten" nannten. Der Gottesdienst wurde von dem verstorbenen Dr. MeCaul gehalten. Der junge Stern fühlte sich von allem, was er sah und hörte, tief ergriffen. Unter diesem Eindruck ging er am nächsten Tage wieder in dieselbe Kirche, wo er Gelegenheit zu einem längeren Gespräch mit dem Prediger Reichardt hatte, dessen liebevolles und frommes Benehmen ihn tief bewegte. Die wohlthuenden Eindrücke des vorigen Tages wurden gestärkt. Nun wiederholte er oft diese Kirchenbesuche. Immer war der Messias des Alten Testaments der Gegenstand der Unterhaltung. (Schluß folgt.) Die Iudernnission in Dom. Unter den Juden in Italien ist in den letzten vierzehn Jahren eine große Veränderung eingetreten. Sie waren lange ein ge-

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