Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 41 (1885)
- Issue
- 9 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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werden int Reiche Gottes." (Luk. 13, 29.) •— Das Evangelium hebt die volkstümlichen, aber auch die bürgerlichen Unterschiede auf. Es verkündigt und fördert die wahre Menschenwürde, die höchsten Menschenrechte. Es hat den Beruf und die Kraft, wie die gesamten Völler, so auch die einzelnen Glieder und Klassen derselben mit einander zu vereinigen, den Geld- und Bildungsstolz und tausend andere Vorurteile zu entfernen. Freilich ist mit der Niederreißung der von Menschen errichteten Schranken die Aufrichtung und Befestigung der von Gott geordneten verbunden. Der Fürst erblickt in jedem Unterthan den Mitchristen, den Genossen des Himmelreichs, aber nie wird der Unterthan die Ehrfurcht vergessen, welche er der von Gott gesetzten Obrigkeit schuldet, und die Obrigkeit hat ein Recht, solche Unterordnung zu verlangen. — „Allzumal Einer in Christo Jesu!" Zeigt unsere Religion nicht in dieser Vereinigung der Menschen, daß sie zur Weltreligion besttmmt ist? Unterdrücket sie, schlagt ihre Bekenner tot! Sie wird sich doch immer wieder, ein unsterblicher Phönix, verjüngt aus der Asche erheben, wird immer wieder ihre Licht-, Salz- und Sauerteigsnatur in der großen und der kleinen Welt offenbaren. „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat." (1. Joh. 5, 4.) Hören wir auch noch den 29. Vers von Galater 3: „Seid ihr aber Christi, so seid ihr ja Abrahams Same und nach der Verheißung Erben." — Wie Paulus vorher (V. 16) nachgewiesen hat, ist bei der Verheißung 1. Mose 22, 18 an den Messias zu denken. Sind wir des letzteren Eigentum, so gehören wir dem Samen Abrahams an; ja, nur dann dürfen wir diesen Ehrentitel für uns beanspruchen. Ein rechter Christ ist ein rechter Israelit und die Christenheit das wahre Israel. — Natürlich steht man innerhalb dieses Verbandes zugleich unter den Strahlen der Verheißungssonne, oder vielmehr im Genuß der verheißenen Güter. Man empfängt den Segen, von welchem Jehovah zu dem Vater der Gläubigen gesprochen hat. Man trinkt in den Worten des dem Mose gleichen Propheten das Wasser des ewigen Lebens. (5. Mose 18, 15; Joh. 4, 14.) Man wird durch das Selbstopfer des göttlichen Hohenpriesters von dem Sündenaussatz befreit. (Jesaia 53; Matth. 26, 28.) Man besitzt im Reiche des Königs der Gerechtigkeit und des Friedens (Hebr. 7, 2) einen Bürgerbrief, bei dessen Anblick auch die Gewalten der Finsternis erzittern, der die Macht der Hölle in Ohnmacht verwandelt. (Röm. 8, 34. 38 f.) Das ist die Seligkeit des Christenstandes. Wohl dem, der von ihr zu sagen und zu singen weiß: „Mein Glaub' ist meines