Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 41 (1885)
- Issue
- 9 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554892-2554902--08407-2564437- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sich eine Stimme im Alten Testament (Jes. 64, 6) folgendermaßen vernehmen: „Wir sind allesamt wie die Unreinen, und alle unsere Gerechtigkeit ist wie ein unflätig Kleid." — Nur Einer hat allezeit das fleckenlose Gewand der Unschuld, ja der Heiligkeit getragen. Das ist der Gottmensch, welcher seinen Feinden die Frage vorlegte: „Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen?" (Joh. 8, 46.) Die sittliche Größe Jesu ist beispiellos, einzigartig. — Mit dieser Gerechtigkeit wird der Sünder von dem Sünderheiland bekleidet; der Erlöser bietet sich selbst als das unsere Blöße und Unreinigkeit verbergende Gewand dar. Und so jauchzt denn der Erlöste: „Ich freue mich im Herrn und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott, denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet." (Jes. 61, 10.) — Der Christ lebt in Christo und genießt den Segen, der von Christo ausgeht. Diese Lebens- und Segensgemeinschaft wird Joh. 15 unter einem dem Weinbau entnommenen Bilde dargestellt. Ein Jünger des Heilandes gleicht der Rebe, welche in den Weinstock eingepfropft ist und aus diesem immer wieder frischen Saft und neue Kraft ziehen kann. Im zweiten Petribrief (3, 17) wird von einer Festung gesprochen, aus der man nicht entfallen dürfe. Wer in dem Messias lebt, befindet sich in einer solchen; die Wut der Feinde kann ihm nichts anhaben. Der Christ gleicht auch dem Sandkorn, welches in eine Muschel hineingeraten ist und hier allmählich in eine wunderschöne, kostbare Perle verwandelt wird. Der mittlere jener Verse lautet: „Hier ist kein Jude noch Grieche, hier ist kein Knecht noch Freier, hier ist kein Manu noch Weib. Denn ihr seid allzumal Einer in Christo Jesu." — Der neue Bund führt eine Verbrüderung aller Menschen herbei. Christen sollen sein „ein Volk von Brüdern", die in keiner Not und Gefahr sich von einander trennen. Unser erstgeborener Bruder, der eingeborene Sohn Gottes, sammelt alle Geschlechter der Erde, um sie zu einer Gottesfamilie zu machen. Als er noch auf Erden weilte, hat er die Mühseligen und Beladenen zunächst in Israel an sich gezogen. Doch schlug sein Herz in Mitleid auch für Heiden. Er erfüllt die Bitten des heidnischen Hauptmanns von Kapernaum, der für seinen Knecht, der Syro- Phönizierin, die für ihre Tochter bittet. Er befiehlt den Aposteln: „Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe." (Matth. 28, 19 f.) Und er weissagt: „Es werden kommen vom Morgen und vom Abend, von Mitternacht und vom Mittag, die zu Tische sitzen