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Dibre Emeth · 1885-01-01 · 8 (1885) · page 3

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Journal
Dibre Emeth
Volume
41 (1885)
Issue
8 (1885)
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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59 ans Licht bringen, das verborgen ist, es sei gut oder böse." Ein noch gewaltigerer Prediger aber, Jesus von Nazareth, spricht in der Bergpredigt (MMh. 5f 17—19) auch von diesem Gebot also: „Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage euch wahrlich: Bis das Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe, noch ein Titel vom Gesetz, bis daß es alles geschehe. Wer nun Eins von diesen kleinsten Geboten auflöset und lehret die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber thut und lehret, der wird groß heißen im Himmelreich." Ich will heute von den Segnungen des irdischen Ruhetages nicht weiter reden, sondern nur mein Bedauern aussprechen, daß diese Segnungen von so vielen verkannt und verachtet, vielen leider auch durch andre unrechtmäßiger Weise vorenthalten oder doch geschmälert werden. Auch das ist schmerzlich zu beklagen, daß nicht mehr ein und derselbe Tag der Feiertag für Juden und Christen ist. Doch durch Gottes waltende Hand kann und wird auch dieser Gegenstand des Zwiespalts zu einer Quelle des Friedens werden, wenn Ihr, Söhne und Töchter Israels, gemeinschaftlich mit uns das Wort des Apostels beachten und beherzigen wollt: „Es ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. Denn wer zu seiner Ruhe gekommen ist, der ruhet auch von seinen Werken, gleichwie Gott von seinen. So lasset uns nun Fleiß thun, einzukommen zu dieser Ruhe!" (Hebräer 4, 9—11.) „Noch eine Ruhe!" Diese Worte weisen uns auf unser gemeinsames Ziel hin, liebe Brüder und Schwestern! Es ist die Grabesruhe hienieden, droben — das Vaterhaus mit den vielen Wohnungen. — „Aber, Herr" so betet David im 39. Psalm, „lehre doch mich, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß!" Und im dreizehnten Verse ruft und seufzt und bekennt er so innig: „Höre mein Gebet, Herr, und vernimm mein Schreien, und schweige nicht über meinen Thränen! Denn ich bin beides, dein Pilgrim und dein Bürger, wie alle meine Väter." Die Pilgrimschaft soll zur Bürgerschaft führen, zur Bürgerschaft in der ewigen Gottesstadt, deren Bürgerrecht uns die freie Gnade Gottes schenkt in Christo, seinem Sohne. O wie herrlich muß es doch droben sein in den Hütten des Friedens, bei dem lieben himmlischen Vater, der die Liebe und das Leben und das Licht selber ist! Wie selig muß es sich ruhen und wohnen, nach allem Leid und Streit der Erde, in dem Vaterhaus, unter dem Schatten der Lebensbüume, wo alle Seufzer verstummt, alle Thränen abgewischt sind, weil Sünde und Tod versenkt sind in das Meer des ewigen Erbarmens!

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