Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1885-01-01 · 7 (1885) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
41 (1885)
Issue
7 (1885)
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
100% known words query
IRI
…/2554541-2554892-2554900--08392-2564420
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

anderes als eben Evangelien sein wollen (Mc. 1, 1. Matth. 26, 13) und überall die Spuren tragen, daß sie aus und nach evangelischer Verkündigung — gleichsam als deren Niederschläge — gesammelt sind: so ist es durchaus irrig, wenn man ihnen seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts den Titel von Lebensbeschreibungen Jesu gegeben hat, demnach ein Leben oder eine Geschichte Jesu in ihnen sucht. Alle Folgerungen sind ungereimt, welche von dieser Voraussetzung ausgehen. Eine Lebensbeschreibung kann Gegenstand des Interesses und der Bewunderung für den Leser sein und als eine Notwendigkeit geschichtlicher Forschung hingestellt werden; sie wäre in diesem Falle das höchste Problem edler Geister. Aber Ep. ist die Nachricht von solchen Dingen, welche in ihrer Gesamtheit in der direktesten und unmittelbarsten Beziehung zu dem Leser stehen. Ev. ist die Geschichte von des Menschen Erlösung, und ein jeder muß seine eigene Geschichte in den Evangelien lesen lernen. Die ganze Anordnung der Evangelien kann deshalb nur verstanden werden, wenn festgehalten wird, das alles, was in ihnen berichtet wird, und die Art und Weise, wie berichtet wird, auf die dem sündigen Menschen in Christo Jesu erschienene Gnade Gottes Rücksicht nimmt. Dies leuchtet noch näher ein, indem wir die materiale Seite des Begriffes „Ev." ins Auge fassen, welche sich in folgenden Punkten entfaltet: 1) Eine heilbringende Botschaft findet, wie eben gesagt, den Empfänger in einem Zustand der Gefahr und bangen Erwartung. Welcher Art ist nun,dieser Zustand? Es ist der Zustand eines jeden Menschen, wie derselbe durch das Gesetz Gottes zur Erkenntnis gebracht wird. (Vgl. Röm. 5—7. Gal. 3.) Dieser Zustand ist die Herrschaft der Sünde und des Todes, welcher das ganze menschliche Geschlecht infolge des Ungehorsams und Abfalls durch das gerechte Urteil Gottes unterworfen ist. Von dieser Herrschaft sich selbst zu befreien, ist für den Menschen eine unmögliche Sache, und so hat er nichts anderes als Strafe, Zorn, Fluch und ein ewiges Umkommen vor sich, wenn ihm nicht von Gott selbst eine Errettung bereitet wird (Act. 13, 38. 39; 26, 18. 1. Cor. 6, 11. Eph. 2, 4 ff. 12 ff. Tit. 2, 11. 2. Tim. 1, 9 10). Diese Lage der Dinge setzt das Ev. unbedingt voraus. Es ist also nicht etwa eine Verkündigung, durch welche das Gesetz mit seinem Gebot, seiner Strafe und seinem Fluch aufgehoben würde, sondern es hat das Gesetz zu seiner Grundlage und kein anderes Ziel als die Erfüllung des Gesetzes (Matth. 5). Es verkündigt dem Menschen nicht, daß er sich selbst seiner Bande entledigen könne. Es beseitigt auch nicht etwa die Vorstellung von einem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.