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Dibre Emeth · 1885-01-01 · 6 (1885) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
41 (1885)
Issue
6 (1885)
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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mal der deutschen Sprache bediente. Abends 9 Uhr wurde der Tag mit Gebet und Bibellesen beschlossen und dieser Hausgottesdienst immer in deutscher Sprache gehalten. Förmliche deutsche Gottesdienste fanden am Sonntagmorgen um 9 Uhr, am Sonntag- und Mittwochabend um 7 Uhr statt. Außerdem feierte man am Sonntagnachmittag um 4 Uhr einen englischen, am Sonnabendnachmittag um 3 Uhr einen hebräischen Gottesdienst. Die Taufkandidaten erhielten täglich Religionsunterricht. Aber auch andere Lehrfächer wie Lesen, Schreiben, Rechnen, Singen, Zeichnen, hebräische, englische und französische Sprache waren im Stundenplan vertreten. In der Anstaltskapelle las man an der Kanzel 1. Könige 8, 36, an den Wänden das Gebet des Herrn, das apostolische Glaubensbekenntnis und die zehn Gebote. Jüdische Besucher der Anstalt wurden manchmal durch das, was sie hier sahen und hörten, zu Freunden derselben gemacht. Einst betrat ein Jüngling das Haus, um seinen Bruder, der sich taufen lassen wollte, zu ermorden. Der Anschlag wurde vereitelt und der grimmige Verfolger zu Jesu bekehrt. Im Dezember 1854 ging den Warschauer Missionaren ein kaiserlicher Befehl zu, der sie des Landes verwies. Das schöne, mit so reichen Erfolgen gekrönte Werk mußte aufgegeben werden. West siedelte mit einem Amtsbruder nach Hamburg über. Hier hat er noch eine Reihe von Jahren in Segen wirken dürfen, und auch nach seiner Pensionierung hörte er nicht auf, den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel nachzugehen. Seine guten Kenntnisse der hebräischen Sprache fanden bei der Londoner Gesellschaft die verdiente Anerkennung — auch durch Erteilung verschiedener arbeits- und ehrenvoller Aufträge. Ein Freund schrieb einmal dem Alternden: „Der Herr erhalte Dir seine Gnade, daß Dein Feierabend lieblich umleuchtet sei von dem heiligen und heiligenden Glanze seiner allgenugsamen Nähe." Dieser Wunsch ging in Erfüllung. Ein stiller, schöner Lebensabend wurde dem Emeritus zuteil. Am 19. Oktober 1873 traf ihn ein Schlaganfall. Fünf Tage später entschlief er. Bei der Leichenfeier in Othmarschen, wo der Verstorbene die letzten Jahre seines Lebens zugebracht hatte, rief der Geistliche den Angehörigen die passenden Verse zu: „Der Herr der Ernte winket: Die reife Garbe fällt. Die Abendsonne sinket: Der Wandrer eilt ins Zelt. Der Knecht von vielen Jahren Geht, Herr, zu stiller Rast. Laß ihn in Frieden fahren, Wie du verheißen hast." „Wohl dir! Du wirst ihn sehen, den liebend du umfaßt. Wohl dir! Dir ist geschehen, Wie du geglaubet hast. Der Herr bringt dir entgegen Des Lebens gold'ne Krön'. Den Deinen bleibt dein Segen Und dein Gebet am Thron." Das Grab des Heimgegangenen befindet sich auf dem neuen Kirchhof zu Ottensen. _

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