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Dibre Emeth · 1885-01-01 · 6 (1885) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
41 (1885)
Issue
6 (1885)
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Im Jahre 1823 reiste West mit seinem ältesten Bruder in die Heimat des Vaters, um die dortigen Angehörigen zu grüßen. Der Aufenthalt in dem gesegneten Schwabenlande hinterließ bei ihm tiefe Eindrücke; dazu kam ein merkwürdiger Traum, der ihn sehr ergriff. Er forschte jetzt immer ernstlicher in der heiligen Schrift und wurde bei dieser Thätigkeit besonders auf diejenigen Bibelstellen aufmerksam, die von Israels Bekehrung handeln. So entstand in ihm der Wunsch, hierbei als Werkzeug zu dienen. Er wandte sich daher mit einer Anfrage an die Londoner Gesellschaft zur Beförderung des Christentums unter den Juden. Die Antwort lautete: „Kommen Sie zunächst auf sechs Monate zu uns!" West folgte der Einladung, bestand die Probezeit und empfing dann eine, auf drei Jahre sich erstreckende Vorbildung für den Missionsberuf. Mit der Ausübung dieses Berufes begann er in Holland. Später wurde Hamburg der Mittelpunkt seiner Thätigkeit. 1838 trat er in die Ehe mit der Tochter des Hofmalers Lenthe in Ludwigslust und wurde nun nach Warschau gesandt, wo seit dem Ende des Jahres 1821 verschiedene Missionare der Londoner Gesellschaft unter Israel arbeiteten. Dies Arbeitsfeld war damals ein besonders ergiebiges. Von 1821—1838 hatten 120 Israeliten die in Jesu von Nazareth geoffenbarte Gnade und Wahrheit angenommen und sich taufen lassen. Die Anwesenheit von Missionar West sollte dem Werk einen neuen Aufschwung geben. Zunächst zog West mit seiner Gattin in das, auch von anderen Missionsfamilien bewohnte Missionshaus. Nach drei Jahren übernahm er die Leitung der zur Aufnahme von Taufbewerbern, sowie zur Pflege von Proselyten gegründeten Anstalt. Dies Amt, welches West anderthalb Jahrzehnte lang verwaltete, war zwar auf der einen Seite ein in hohem Grade sorgenvolles. Der Vorsteher des Heims mußte manche schmerzliche Erfahrung machen. Der Eifer und die Liebe, mit welchen er seiner Pflegbefohlenen sich annahm, wurden von diesen nicht immer gewürdigt und mit Dank vergolten. Allein jene 15 Jahre brachten doch auch viel Erfreuliches. Bon den Hunderten, welche kürzere oder längere Zeit der Anstalt angehörten, blieb der größte Teil dem Heiland treu. Bei den meisten Zöglingen führte die Thränensaat zur Freudenernte. — In den „Dibre Emeth" von 1846 findet sich die Übersetzung eines von Missionar West verfaßten Berichtes über das Warschauer Proselytenheim. Hiernach betrug die Zahl der Insassen durchschnittlich 20, während des ganzen Jahres 1845 (44): 43. Die jungen Leute wurden in der Regel mit Buchbinder- und Buchdruckerarbeiten beschäftigt. Die Hausordnung setzte eine Morgenandacht auf 4 Uhr fest, bei welcher man sich dreimal wöchentlich der hebräischen, drei-

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