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Dibre Emeth · 1885-01-01 · 5 (1885) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
41 (1885)
Issue
5 (1885)
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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erster Redner trat der anglikanische Erzbischof von Dort auf, der auch den Vorsitz übernommen hatte. Seiner Ansprache lagen folgende leitende Gedanken zu Grunde: Die Bemühungen der altbewährten Londoner Gesellschaft sind gegenwärtig schon deshalb besonders am Platz, weil sie gegen die unmenschliche Behandlung, welcher die Juden in manchen Gegenden Europas unterworfen werden, Zeugnis ablegen. Die Christen dürfen den Israeliten ihre erbarmende Liebe nicht versagen. Israel ist das Volk, welches das Alte Testament und die darin enthaltenen Weissagungen gehütet hat. Und wenn es uns auch vielfach feindselig begegnet, so sollen wir Böses mit Gutem vergelten und ihm die Erkenntnis des Heils bringen. Jene Weissagungen bieten eine treffliche Handhabe dar, um den Juden nahe zu kommen. Sie sind ja nicht Menschenerfindungen, sondern Offenbarungen des lebendigen Gottes. Man hat in ihnen zwei Linien zu unterscheiden: Die eine bezieht sich auf die zukünftige Herrlichkeit des Volkes Gottes, die andere auf die Leiden dessen, der diese herbeiführen soll. Das Christentum bringt die rechte und befriedigende Verbindung beider Linien. Wer dies nicht zugiebt, kann mit den alttestamentlichen Weissagungen nichts anfangen. Vielleicht sind deshalb so viele Juden von ihrem eigenen Alten Testament abgefallen und in Halbglauben oder Unglauben versunken. Der Christ soll zur Ehre Christi die Wahrheit des Evangeliums und die Wahrheit der im Evangelium sich abspiegelnden Weissagungen verteidigen. Wer nicht müde wird, die Irrenden zu Christo zu führen, sie mit seiner Liebe, seinen Worten, seinem Wandel bekannt zu machen, der darf hoffen, daß Gott dem ausgestreuten Samen ein fröhliches Gedeihen schenken werde. Aus Kifchinew und Hreslau. Am Weihnachtsabend 1884 wurde in Kischinew die Synagoge der von dem ehemaligen Advokaten Josef Rabbinowitsch gestifteten judenchristlichen Gemeinde „Neu-Jsrael" dem Dienste Jesu, des Messias, geweiht. An der Feier beteiligten sich auch der Polizeimeister und der evangelische Pastor Faltin. Den Hauptinhalt der Festrede bildete der Nachweis, daß Jesus von Nazareth der Messias ist. Rabbinowitsch forderte seine Zuhörer dazu auf, von dem Nazarener die Wahrheit zu empfangen, da man dieselbe sonst nirgends finden könne. — Auch am Neujahrstage war der kleine Betsaal überfüllt. Nur durch Polizeibeamte ließ sich die Ordnung in und vor dem Hause aufrecht erhalten. Nach dem Vortrag von Rabbinowitsch begrüßte Pastor Faltin, der von der

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