Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 41 (1885)
- Issue
- 4 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Es fährt mir jedesmal wie ein eisigkalter Schauder durch den Leib und bis ins Herz hinein, sooft dies grausige Wort der Selbstverwünschung, ja Selbstverfluchung mir in meinem Neuen Testamente (Matth. 27, 25) wieder begegnet oder sonst einfällt, und ich dabei an seine grausige Erfüllung in der Zerstörung Jerusalems durch Titus und in den Strömen jüdischen Blutes, welche damals und seitdem geflossen sind, erinnert werde. Seht es nicht als eine Lieblosigkeit, sondern als ein Zeichen herzlicher Liebe an, ihr Söhne und Töchter Israels, wenn ich auch euch daran erinnere und bittend mahne: Nehmt's zu Herzen, was ■ Gott der Herr in den richtenden Thaten Seiner allmächtig waltenden Hand uns predigt! Seit Abels, des Gerechten, Tagen schreit unschuldig und ungerecht vergossenes Blut nicht umsonst gen Himmel. Blutschulden, solange sie ungesühnt bleiben, werden allemal mit Blut, oft mit Strömen Blutes abgewaschen. Das ist Gesetz und Recht in Gottes Reich und Machtgebiet, und wird es bleiben. Dieser Fluch der grausigen Blutschuld, welche eure Väter durch die Hinschlachtung ihres besten Sohnes, ihres größten Wohlthäters und Propheten auf ihr Volk geladen haben, ist darum die Quelle und Ursache alles Unglücks, alles Unsegens, aller Gerichte Gottes, auch aller Verfolgungen der Menschen über Israels Kinder gewesen und ist's noch heute. Das Blut Jesu Christi, des Gottes¬ und Menschensohnes, ist nach eurer Väter Wort über sie und ihre Kinder gekommen. Sie selber haben es über sich herabgerufen durch das Wort der Selbstverwünschung. Und bei dem Worte ist es ja nicht geblieben; sie sind auch zu der grausigen Kainsthat des Brudermordes an dem schuldlosesten und reinsten, gerechtesten und edelsten aller Menschen fortgeschritten. Zu diesem Fluch und Bann gehört auch die Blindheit des Übermuts und der Selbstüberschätzung, womit Israels Kinder in unseren Tagen, seitdem die Verfolgungen und Bedrückungen früherer Jahrhunderte gottlob aufgehört haben, ihre Stellung im deutschen Volke und ihre Pflichten gegen dasselbe verkennen. Man braucht wahrlich kein Antisemit zu sein und kann doch diese Blindheit und diesen Übermut schmerzlich beklagen. Zu diesem Fluch und Bann, der auf Israels Kindern lastet, rechne ich auch den unersättlichen Durst nach Gold und Besitz und der Anhäufung unermeßlicher Schätze in den Händen der Juden. Das Gebet ihres frommen Psalmensängers: „Armut und Reichtum gieb mir nicht, laß mich aber mein bescheiden Teil Speise hinnehmen!" scheint leider mehr und mehr bei Israels Kindern, von der Familie Rotschild und den Königen der Börse an bis