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Dibre Emeth · 1885-01-01 · 3 (1885) · page 7

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Journal
Dibre Emeth
Volume
41 (1885)
Issue
3 (1885)
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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wieder in ihrem wahren Werte erkannt und in ihre Rechte eingesetzt worden sind. 5. Das Verhalten zwischen Mensch nnd Mensch. Als Grnndsatz hierfür wird allerdings schon im Mosaismns der Satz aufgestellt: „Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst", aber er wird doch nnr so nebenbei erwähnt, jedenfalls tritt er im praktischen Zusammenleben zurück, und noch zur Zeit Christi wurde jüdischerseits die Frage erwogen: Wer ist denn mein Nächster? Die Grundgesinnung, von der sich der Israelit in seinem Verhalten zum Nächsten leiten ließ, war vielmehr doch nur die der Gerechtigkeit und Legalität. Das treibende Agens des Christen aber ist unzweifelhaft die aus dem Glauben geborene Liebe, die Bruderliebe, - nnd diese soll sich keineswegs bloß auf die Freunde und Glaubensgenossen, sondern auch auf die Feinde und die fernsten Fremdlinge erstrecken. Wer sich diese fünf Vergleiche zwischen Judentnm und Christentum, die hier nur in kargen, dürren Worten angedeutet werden konnten und selbstverständlich cum grano salis gemeint sind, vorhält, der wird nicht umhin können, diesem den Vorzug vor jenem zuzugestehen. Fast möchte man meinen, selbst jeder Jude müßte zu dieser Anerkennung gelangen können, wenn er sich einmal zu dem Versuche entschlösse, eine Weile zu vergessen, daß er ein Jude sei, und sich nur auf die sachliche Prüfung dieser fünf Vergleiche einließe. Dieses Vorzuges vor dem Judentum und nun erst recht vor dem Heidentum ist sich auch das Christentum bewußt, und deshalb tritt es mit dem Ansprüche auf, die wahre Religion, also die Religion zu sein (Ap.-Gesch. 4, 12), zn welcher die andern Religionen nur Vorstufen bilden. Wir sind demnach berechtigt, unserm oben ausgesprochenen Schlußergebnis noch den Zusatz hinzuzufügen: Das Christentum ist die wahre Religion; denn die Christen sind durch die heilige Taufe in die Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott ausgenommen und werden durch den in Wort und Sakrament wirkenden heiligen Geist im Glauben an den und somit auch in der Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott erhalten. Ist das Christentum aber die Religion, so folgt daraus 1. seine Jmperfektibilität. Es ist auf keine verbesserte Auflage des Christentums zu rechnen. Das Christentum selbst bedarf einer solchen nicht und ist derselben auch nicht fähig; denn es bernht auf den Thaten und Offenbarungen Gottes. Vervollkommnungsbedürftig und fähig sind einzig nnd, allein die Christen. Es folgt daraus 2. sein Universalismus, d. h. es will nicht nur die Religion eines einzelnen, besonders bevorzugten Volkes,

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