Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 41 (1885)
- Issue
- 3 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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unendlich über alle Götter der Heiden erhaben. Sie heißen: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. — Höre, Israel, der Herr, dein Gott ist ein einiger Herr. — Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr, euer Gott." Während aber der einige Gott Israels so zu sagen ein einsamer Gott ist, ist der Gott des Christentums der dreieinige und somit erst der vollpersönliche. Es sind gewiß auch für die Gegner der Lehre von der Dreieinigkeit beachtenswerte Thatsachen, daß der höchst gelehrte Tübinger Professor Baur über die Geschichte dieses Dogmas ein dreibändiges Buch geschrieben, und daß der jüngst in Berlin verstorbene Professor Dorner, einer der bedeutendsten Denker unseres Jahrhunderts, in seiner christlichen Glaubenslehre dargethan hat, wie erst der trinitarische Gottesbegriff uns die volle Herrlichkeit Gottes zeige. 2. Das Verhältnis Gottes zu den Menschen. Der Jehovah des Alten Testaments ist vorzugsweise der Gott Israels: der Vater Jesu Christi aber ist der Gott aller Völker; jener ist vorzugsweise, weil der Heilige, transcendent oder überweltlich (die Transcendenz ist versinnbildlicht durch die Dreiteilung: Vorhof, Heiliges, Allerheiligstes): dieser ist, seitdem der Vorhang im Tempel zerriß und das Versöhnungswerk vollbracht wurde, durch Christum auch der Gott für und mit uns (Röm. 8, 31. Mth. 1, 23) und durch den heiligen Geist auch der Gott in uns (Joh. 14, 23. 1. Kor. 3, 16. 6, 19). Im Alten Testamente war ein zwischen Gott und dem Volke vermittelnder Priesterstand nötig, im Neuen sind alle Gläubigen Priester, d. h. berechtigt, Gott zu nahen. 3. Das Verhältnis der Menschen zu Gott im Juden- und Christentum. Dort heißen die Frommen oft Knechte, hier Kinder; dort wiegt die Furcht vor dem Heiligen, hier die Liebe zu dem Vater vor. Dort will man sich durch Gerechtigkeit Gottes Wohlgefallen verdienen („Gerechte"), hier will man sich die Gerechtigkeit schenken lassen („Gläubige"). 4. Der Wert der einzelnen Persönlichkeit bei Gott und der Gesamtheit des Volkes. Während im Judentum nur hervorragende Personen, z. B. die Erzväter, Mose, die Propheten und etliche Könige, als von Gott ganz besonders bevorzugt dargestellt werden, im übrigen aber nur das Volk als ganzes ein Gegenstand der besonderen Gnade Gottes ist, gilt im Christentum jede einzelne menschliche Persönlichkeit als etwas außerordentlich Wertvolles. Selbst der Wert der ganzen Welt genügt nicht, eine Seele zu erlösen, und der Sohn Gottes ist bereit, auch die ärgsten Sünder zu retten nnd will auch die Geringsten im Volke als seine Brüder angesehen und behandelt wissen. Es erhellt, daß aus diesem Grunde die Kinder, Frauen und Sklaven seit Christo erst