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Dibre Emeth · 1885-01-01 · 3 (1885) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
41 (1885)
Issue
3 (1885)
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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liche Persönlichkeit erheischt. Wir sehen hier auch: Das Christentum besteht nicht aus einer Menge von Lehrsätzen, die von denkenden Köpfen erfunden.und erst hinterher Christo in den Mund gelegt worden wären; sondern es beruht auf einer Reihe von Thatsachen der göttlichen Liebe. Wäre es vorzugsweise Lehre, dann müßten gerade die gelehrtesten auch die besten Christen sein, und wäre es wesentlich Moral oder Gesetz,' so würde seine Grundforderung lauten wie im Judentum: Thue das! Sie lautet aber bekanntlich: Glaube nur — dann wirst du auch in der Erkenntnis wachsen und die Werke thun, die der Herr fordert, und die ihm k'Zefallen! Wir müssen darum jetzt fragen: Was ist der Glaube? Oft versteht man darunter nur ein Meinen oder Fürwahrhalten und hält ihn also für eine, noch dazu ziemlich unsichere Verstandessache. Der Glaube im biblischen Sinne des Wortes ist aber weit mehr: er ist zweitens auch ein Vertrauen oder eine Zuversicht auf das durch Jesum Christum erworbene Verdienst, und darum ist er notwendig drittens auch die willige Hingabe des Herzens, ja des Leibes und Lebens an den Erlöser. Er ist also seinem Wesen nach eine neue Gesinnung. Um ihretwillen wird der Sünder in einen neuen Stand, in die Gotteskindschaft, versetzt. Weil nun die Kinder Gottes nicht mehr von der Furcht, sondern von der Liebe zu Gott regiert werden, so müssen sie notwendig ihren Glauben auch durch einen neuen Wandel in der Liebe oder in guten Werken bethätigen (Jak. 2, 17. 20). Nun wissen wir auch, warum der Glaube nicht jedermanns Ding ist (2. Thess. 3, 2): Der Mensch soll sich nicht mehr von seinem sündlichen Selbst, sondern vom heiligen Geiste regieren lassen, und das will eben der alte Adam nicht. Wir fassen jetzt das Gesamtergebnis zusammen wie folgt: Das Christentum ist diejenige Religion, deren Bekenner an Jesum als den Sohn Gottes, ihren Meister, Heiland und Herrn glauben und diesen Glauben durch gegenseitige Bruderliebe bethätigen; durch diesen Glauben und, diese Liebe vereinigt bilden sie ein großes Reich Gottes und erhoffen dessen Vollendung in der Wiederkunft Christi. Hiermit haben wir die Definition (die genaue Beschreibung) des Begriffes Christentum vollzogen, denn wir haben den nächst höheren Gattungsbegriff und das Artmerkmal besprochen. Doch erscheint es wünschenswert, ja nötig, auch noch sein Verhältnis zu den andern Religionen oder doch wenigstens zum Judentum hervorzuheben. Es kommen dabei folgende fünf Punkte in Betracht: 1. Das Wesen Gottes nach der Auffassung des Juden- und Christentums. Durch drei Aussprüche ist der Gott Israels

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