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Dibre Emeth · 1885-01-01 · 3 (1885) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
41 (1885)
Issue
3 (1885)
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Da nun der Christus des Neuen Testaments und der Kirche ein solches übermenschliches, göttliches Wesen ist, „des Menschen Sohn" und „Gottes Sohn", wid er sich selbst so oft genannt hat, so folgt daraus von selbst, daß ihm auch eine die menschlichen Kräfte übersteigende Aufgabe von Gott aufgetragen sein muß. Sie ist eine dreifache. Nach seinen eigenen Aussprüchen ist Jesus 1. der alleinige Meister (Matth. 23, 8), der König der Wahrheit, - gekommen, um die Wahrheit zu bezeugen (Joh. 18, 37), ja die Wahrheit selbst (Joh. 14, 6), oder, wie man sich gewöhnlich ausdrückt, der Prophet. Doch unterscheidet er sich dadurch wesentlich von den alttestamentlichen Propheten, daß seine Predigt zu einem großen Teile Selbstzeugnis ist, wie ja auch schon das ganze Alte Testament von ihm gezeugt hat (Joh. 5, 39). Da aber zur Ausübung der prophetischen Thätigkeit ein von Gott einzigartig begabter Mensch genügt hätte, so kann in ihr nicht die Hauptleistung Christi liegen. Auch ist das Hauptelend, unter dem die Menschheit seufzt, nicht die religiöse Unwissenheit, sondern die Sünde mit allen ihren verderblichen Folgen, von denen jene religiösen Verirrungen zwar nicht auszuschließen, Schuld und Verdammnis aber die schlimmsten sind. Demgemäß hebt auch das Neue Testament weniger seine prophetische Thätigkeit hervor, als vielmehr dies, daß er gekommen sei, die Sünder selig zu machen (Matth. 1, 21. 1. Tim. 1, 15); und auch nach seinen eigenen Aussagen ist er gekommen, für viele sein Leben als Lösegeld zu geben, das Verlorne zu retten und die Menschen in den neuen Bund mit Gott zu versetzen (Matth. 20, 28. 18, 11. 26, 28. Luc. 19, 10). Darum nennen wir ihn 2. den Heiland, Erlöser, Versöhner, Hohenpriester. Sein Leiden und Sterben hat offenbar nur darum eine solche großartige Wirkung, weil es das Leiden und Sterben des Gottes- und Menschensohnes und zugleich ein unverschuldetes, unschuldiges, freiwilliges, die alttestamentlichen Vorbilder weit überragendes ist. Darum konnte er aber auch nicht im Grabe bleiben, sondern ist am dritten Tage auferstanden von den Toten. Dadurch ist Christus 3. erwiesen als der Herr und König („Christus der Herr" eine alte Formel des Bekenntnisses zu ihm: i. Kor. 12, 3. Phil. 2, 11). Als solcher hat er den heiligen Geist ausgegossen und die Kirche gestiftet; als solcher schützt und mehrt er sie und führt sie ihrer Vollendung entgegen, damit sein Reich, das Reich der Gnade, endlich alle seine Unvollkommenheiten ablege und zum Reiche der Herrlichkeit werde. — Das ist in knappen Worten die dreifache Leistung Jesu Christi, eine Leistung, zu deren Vollzug nimmermehr die Kraft eines einzelnen menschlichenJndividuums ausreicht, die vielmehr eine gottmensch-

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