Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 41 (1885)
- Issue
- 1 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sinne als irgend ein anderes Wesen im Himmel oder auf Erden sagen: Ich kenne den Vater. Er konnte erklären: Ich und der Vater sind eins; wer mich stehet, der stehet den Vater. Was den Sohn während seines irdischen Wandels vom Vater trennte, ist durch den Tod und dann vollends durch die Himmelfahrt entfernt worden. Jetzt besitzt er wieder die ganze Majestät der Gottheit, deren er sich um der Menschheit willen entäußert hatte. Der Seher Johannes durfte ihn in dieser Herrlichkeit schauen, als er im Geist war (Offenb. 1, 12—18). Eben dies „Ich" nannte sich einem der zwölf Apostel, dem Thomas, gegenüber: „Die Wahrheit". Hat der erniedrigte Gottessohn diesen Namen für sich beansprucht, so müssen wir den letzteren natürlich auch dem erhöhten beilegen. „Ich bin die Wahrheit," das heißt mehr als: „Ich führe zur Wahrheit". Der, welcher so spricht, will nicht nur als Wegweiser, sondern als Ziel des Weges angesehen sein. In seiner Person werden alle Fragen des Menschenherzens beantwortet, alle Hätsel des Lebens gelöst. Jahrtausende hindurch war die Wahrheit— nicht nach der ursprünglichen Absicht Gottes, sondern zufolge der menschlichen Schuld ^— ein verschleiertes Bild: indem Gott Seinen Sohn in die Mitte der Abgefallenen hinein sandte, hat Er selbst den Schleier gehoben. In dem Angesichte Jesu Christi strahlt uns die göttliche Klarheit und darum die ewige Wahrheit selbst entgegen. Geht diese Offenbarung etwa bloß den Verstand an? Keineswegs! Wer durch Jesum nur die richtigen Anschauungen von dem Wesen und Willen Gottes, von der Entartung der menschlichen Natur, von der Notwendigkeit und Wirklichkeit der Erlösung u. s. w. empfangen hat, der besitzt noch nicht das höchste Gut, welches die Wahrheit mitteilt. Sie ist nicht nur Aletheia, d. h. Unverborgenheit, sondern Emeth, das Feststehende, der starke Fels, an den die Wogen vergebens heranstürmen. Wer die Wahrheit hat, der hat eine unvergängliche Stütze in allen Wechselfällen des Daseins, einen Stecken und Stab auch im Thal des Todes. Ist Jesus die „Wahrheit", so wird der Wahrheitshunger und Wahrhcitsdurst sonst nirgends befriedigt. Einzelne Wahrheiten magst du auf dem Wege der wissenschaftlichen Forschung oder mittelst eines offenen Blickes in das Treiben der Menschen und den Gang der Natur entdecken: die Wahrheit selbst, den Urquell, von dem alle die taufend Bäche und Flüsse ausgehen, findest du nur in dem gekreuzigten, aber auch gekrönten Sohne der ewigen Liebe. O nimm ihn auf, wenn du ihm bisher noch nicht dein