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Dibre Emeth · 1884-01-01 · 11-12 (1884) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
11-12 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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daraus, dem Christen den seinigen zu nehmen, zumal er gar' Dank dafür erntete. Wie weit jener irdische Stab führt, ist eine andere Frage. Aber Jude oder Christi Glaube ist des Menschen Werth vor Gott, und wenn der altgläubige Jude ungläubig ist, so ist es der Deist wohl noch mehr. Das Mittelding sucht, weil es sich für ein Unding erkennen muß, immer wieder ein Ding zu werden, und so führt der heidnische Philosophismus endlich wieder zum positiven Heidenthum. Daher die Göttin Vernunft in fleischerner Gestalt auf den Altären des demokratischen Frankreichs. Daher jener Rath eines Ultradeutschen, die palästinische Religion des Christenthums mit den Nationalgöttern der Edda zu vertauschen. Können wir also, ohne Wege- und Quartiermacher des Unsinns zu werden, schon in dieser Welt das Positive nicht verdrängen, wie wird's weiter gehen? Aber darum ist das Positive, das man so hat, nun für diese Welt ein Zaum der Thoren und ein Zügelband für Kinder; Jenseits werden wir's erblicken! — Meint ihr, ihr kämet zu Ihm, ohne daß Er zu euch gekommen? Meint ihr, Gott habe die Menschheit Jahrtausende lang auf die Erde gesetzt, um sie rathcn zu lassen — und noch dazu diese erfreuliche Entdeckung sei euch zu machen Vorbehalten gewesen? Meint ihr, ihr werdet schauen, ohne geglaubt zu haben? Es thut mir schmerzlich wehe, daß ihr schauen werdet — schauen wenigstens, daß ihr dann noch glauben lernen müßt. Jude oder Christi d. h. der alte Bund oder der neue, aber doch immer ein Bund mit Gott, dem persönlichen, dem, der die Barmherzigkeit gehabt hat, sich dem Geschöpfe zu nähern, dem lebendigen, geoffenbarten Gott. Der alte Bund ist, daß etwas kommen soll, der neue, daß es gekommen ist. Wer keinen von beiden hat, was soll dem kommen? Außer was die neidische Providcnz von der Welt her für sich behalten hat. Eine sonderbare Gottheit. Aber denen, die noch glauben an das, was einst kommen sollte, wird offenbar werden, daß es gekommen sei; und die weder an das Künftige, noch an das Gekommene glauben, werden das Gekommene verlieren dann, wenn es sich schauen läßt. Israels Kinder werden ihren Joseph erkennen, und diese Weisheit ist mehr denn Mendelsohn. Es ist ein unendlicher Schade, daß wir die, die für uns ge-

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