Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 11-12 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Philosophen und Politiker darbietet, und das in der neusten Zeit so starke Erörterungen ohne endlichen Erfolg erfahren hat; sodann auch die Druckfehler, welche die alte Auflage hin und wieder entstellten, sind Ursache, daß der Herausgeber, von Freunden aufgefordert, sich mit der Verlagshandlung des alten Originals zu dieser neuen Ausgabe und ihren Zuthaten entschlossen hat; an der Schrift ist Alles unverändert geblieben. Dieses versteht sich vielleicht ohne Versicherung und muß nur wegen der Anzeige auf dem Titel bemerkt werden. Nicht leicht gab es eine treffendere und gerechtere Satyre, als schon im Stile Hamans, dem wortkargen, lakonischen, epigramma- + tisch gesalzenen, verglichen mit Mendelsohns wässriger Geschwätzigkeit und sophistischer Dialektik lag. Sinnvoll ist schon der Titel gewählt. Denn »Golgatha« kennt hoffentlich jeder Leser. Dieser Berg der Erniedrigung und der Schmerzen, zugleich der Versöhnung und des Heils scheidet unübersteiglich das Judenthum und das Christenthum von einander und kann durch keinen Mendelsohnischen Philosophismus abgetragen oder überhüpft werden. Es ist hier nicht von einem christlichen Groll gegen das Israel nach dem Fleisch die Rede; es ist ein Stich in das Herz der schuldlosen Kinder, es wäre denn, daß sie den Herrn der Herrlichkeit nochmals philosophisch kreuzigen wollen, wie sie ihn weiland gekreuzigt haben. Ihrer ist ja die Verheißung, ihrer ist dieses kostbare Blut und der Berg des Todes zum Leben. Auf sie soll dieses Blut kommen, nicht nach der Verwünschung, womit ihre Väter es auf sich und ihre Nachkommen geworfen haben, sondern nach der Deutung der Barmherzigkeit, nach der Besprengung der Sühne und Heiligung, daß auch ihr Gewissen gereinigt werde, zu dienen in Christo dem lebendigen Gott. Und darum ist er auch in die Höhe gefahren, darum hat er Gaben empfangen auch für die Abtrünnigen, darum ward zu ihm gesagt: Scheb-limini! d. h. .Setze dich zu meiner Rechten! Und zwar, bis ich lege alle Feinde zum Schemel deiner Füße, die Kreuziger auf Golgatha und die Kreuziger in Druckschriften, die Pharisäer und Sophisten. Ich habe meinen König eingesetzt auf meinem heiligen Berg Zion. Das ist der andre Berg, der sich nicht überspringen läßt, ein Berg der Herrlichkeit und des Reiches; ein Scheideberg leider, ein zweiter Scheideberg für die, so nicht nach Golgatha wallen.