Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 11-12 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554906-2554913--08306-2564331- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
172 aber hinfort auch nicht in seinem Hause Zusammenkommen lassen. Damit ließ man die Sache fallen. Frau Ginsburg hält für Frauen eine sehr gut besuchte Sonutagsversammlung, und eine solche will viel sagen, da die jüdischen Frauen in Marokko theilweise noch fanatischer als die Männer sind. Ihr Fanatismus ist um so größer, je unwissender sie in religiösen Dingen sind, und doch, jetzt erweisen sie sich als durchaus nahbar und hören dem Evangelium mit Interesse und Staunen zu. Ziemlich zahlreich sind die Juden in Tunis. Die Stadt enthält derselben zwischen 35 000 und 40 000. Alle sind Talmudisten, die sich in drei Abtheilungen theilen: die einheimischen, arabisch sprechenden, die spanischen und die italienischen Juden. Arabisch und Italienisch sind ihre Hauptsprachcn, manche verstehen und sprechen auch Hebräisch. Der Unglaube verbreitet sich außerordentlich unter ihnen und bringt immer größere Schaaren um jede Religion. Gegenwärtig thun die tunesischen Juden, von der israelitischen Allianz unterstützt, viel für einen besseren Unterricht der Kinder, und in diesen Schulen erhalten die ärmeren Kinder dann nicht bloß freien Unterricht, sondern auch Nahrung und Kleider. Gegen die Tauskandidaten gingen ihre Glaubensgenossen hart vor; einer wurde auf Veranlassung des Oberrabbiners in das Gefängniß geworfen, er mußte aber wieder freigelassen werden, als der britische Konsul für ihn eintrat und dem Oberrabbiner gemeldet wurde, daß sich der Gefangene für einen Christen erklärt hätte. Ueber Abessinien ist gleichfalls schon früher berichtet worden. In der Londoner Mission geschahen voriges Jahr 83 Taufen, so daß die Gesammtzahl der nach den Berichten der Gesellschaft bisher durch ihre Missionare getauften Juden sich auf 4193 beläuft. Die Arbeit des vergangenen Jahres war eine sehr ruhige und durch besondere Ereignisse nicht ausgezeichnet. Aber es will doch etwas heißen, wenn eine Gesellschaft mit ihrem Werke nun schon in das letzte Viertel eines Jahrhunderts hineintritt. Sie hat sich weder durch den Hohn und Haß der Juden, noch durch die Gleichgiltigkeit und die vielen Einwürfe weiter Kreise in der Christenheit von ihrem Felde verdrängen lassen. Sie ist nicht