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Dibre Emeth · 1884-01-01 · 11-12 (1884) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
11-12 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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169 vorhanden war, nur durch einen andern Geistlichen an einem jungen Juden vollzogen werden. Auf asiatischem Boden hat Missionar Eppstein in Smyrna mit neuen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die israelitische Allianz hat in jener Stadt eine Schule eröffnet, in welcher der Unterricht französisch erthcilt wird. Nun verschlingt die jüdische Jugend die Werke Voltaires und andrer Führer des Unglaubens, und von der Jugend dringt der Unglaube in weitere Kreise ein. Freidenker und fanatisch Altgläubige unter den Juden reichen sich aber friedlich die Hand gegen die Mission. Gebildete Juden erlangen jetzt hohe Stellungen in der Türkei als Civilbeamte oder Militärärzte. Der Rabbi von Konstantinopel hat die höchste Klasse des Osmanich-Ordens und den Rang eines Paschahs erhalten. Alles das wirkt zusammen, daß zumal das Heranwachsende Geschlecht sich an die Gegenwart hängt und allen Glauben verliert. Diese Leute lassen freilich mit sich sprechen, antworten aber wohl: »Wie können Sie verlangen, daß ich an Jesum glaube, wenn ich nicht an Moses und die Propheten glaube?« Die meisten der von der Regierung Beschäftigten, die Wohlhabenden, die Einflußreichen und auch die Herausgeber von Zeitungen sind Ungläubige und Haffen alle Religion, leiten aber ihren Hohn und ihre Wuth besonders gegen die Missionare und das Christenthum ab; am letzteren haben dann die fanatisch Altgläubigen ihr Wohlgefallen. Auch die Censur für alles Gedruckte und die strengste Ueberwachung der Presse sind für die Mission ein großes Hinderniß; kein Traktat kann ohne Erlaubniß der Regierung gedruckt und ohne ihre Prüfung eingeführt werden. Juden sind angestellt, diese Veröffentlichungen der Mission zu prüfen, besonders die in jüdisch-spanischer Sprache erscheinenden, und man kann sich denken, wie dies der Sache des Evangeliums hinderlich wird. Den.meisten Eingang findet Missionar Eppstein immer noch durch seine ärztliche Kunst, diese ist der Schlüssel zu den jüdischen Häusern und Herzen. Als Arzt kommt er auch mit den jüdischen Frauen in Berührung, während dieselben in Konstantinopel, wo die ärztliche Mission fehlt, unerreichbar sind. Im Missionsbezirke leben jetzt etwa 20 Proselyten, welche verschiedenen Gemeinden angehören.

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