Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 11-12 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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163 demselben gestiftet hatte. Man sah ihn ohne jede Hoffnung scheiden, und doch, jetzt ist er ein eifriger Prediger des Evangeliums; ein anderer, der für geistlichen Einfluß völlig unzugänglich erschien, ist jetzt ein geliebter Pastor einer Dorfgemeinde. Der unbefriedigende Zustand des gegenwärtigen JudenthumS veranlaßt vieles Fragen und Forschen unter den Juden allerwärts. vr. Stern erhält Briefe von Rabbinen und Geschäftsleuten, sowohl aus England als aus allen Theilen der Welt, in denen er um Aufschluß über die hauptsächlichsten Glaubenslehren des Christenthums gebeten wird. Die Religion, zu welcher sich dieselben bekennen, ist ein bloßer Nationalismus, von dem sie selbst bezeugen, daß er ihnen Trost und Hoffnung nicht geben könne. Viele haben das Neue Testament gelesen, aber den Heilsrath Gottes nicht verstanden und verlangen nun näheren Aufschluß. So schrieb neulich ein Rabbiner, der mehrere Bücher verfaßt hat und ein hebräisches Blatt mit herausgibt, aus seinem Sommeraufenthalt in Deutschland an vr. Stern, er wäre des mechanischen Gottesdienstes in der Synagoge müde und möchte mit Weib und Kindern gern in die Kirche eintreten. Das Judenthum, so erklärte er dabei, ist seit den Tagen Mendelsohns und der Epoche Geigers auf der einen Seite in schrecklichen Fanatismus entartet und ebenso traurige Gleichgültigkeit auf der andern Seite. Wie die Verhältnisse in England stehen, beweist wohl am Besten der Umstand, daß in London die Synagogen zur Bezahlung von Personen, die sich verpflichteten, den Gottesdienst zu besuchen, der bekanntlich bei den Juden nur in Gegenwart von 10 Männern geschehen darf, jährlich 13 500 Mk. ausgegeben haben. Bei einem solchen Schiffbruch der Synagoge wächst die Zahl derer, welche zur christlichen Kirche übertreten wollen. Hunderte der wohlhabendsten Juden, welche die Lehre von der heiligen Dreieinigkeit nicht annehmen oder nicht öffentlich getauft sein wollen, suchen unterdeß ein zeitweises Unterkommen bei den Unitariern, während die Kinder derselben alsdann einfach zur Kirche übertreten. Aber die Nothwendigkeit, Christen zu werden, wird nicht weniger von vielen einfachen Juden gefühlt und oft so laut ausgesprochen, daß die jüdische Presse hierüber ein Wehegeschrei erhebt. Eben daher gibt es nun auch eine Anzahl von Juden, welche die Mission mit günstigeren Augen ansehen, und U»