Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 9-10 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Zuletzt der vierte Becher des »Heiles Jesu Christi«. Pastor und Gemeinde leiten von der Ordnung des Alten Testamentes, welche eine Nachfeier des Festes für Todte und solche, die an Todten unrein geworden waren, festsetzte, über zu den Kreuzesleiden Jesu, wobei besonders Jes. 53 berücksichtigt wird. Endlich tritt der Pastor vor den Tisch, legt das Brot so zurecht, daß er es Jedem leicht reichen kann, und Alle nehmen den Becher, um ein neues Segensgebet zu sprechen, welches die Erfüllung aller früheren Verheißungen in Jesu bekennt und um Heiligung des Leibes und der Seele durch ihn bittet. Der Pastor nimmt darauf das Brot, spricht die Einsetzungsworte und reicht das Brot den Einzelnen mit den Worten dar: »Der Leib unseres Herrn Jesu Christi, der für dich hingegeben ist; er bewahre deinen Leib und Seele zum ewigen Leben. Nimm und iß dies zum Gedächtniß, daß Christus für dich gestorben, und glaube an ihn mit deinem Herzen fest und dankbar.« Aehnlich lauten die Worte bei Darreichung des Weins. — Die Dokumente sind im hebräischen Original beigedruckt. Man sieht, es findet ein Ringen und Kämpfen verschiedener Strömungen in diesen Gemüthern statt. Der Gedanke an eine besondere judenchristliche Gemeinde ist in Süd-Rußland kein an sich verkehrter, und eine solche würde auch das Recht haben, sich eine besondere Gestalt zu geben. Die Bildung einer judenchristlichen Gemeinschaft ist in jenen Gegenden darum an sich nicht abzurathen, weil dort die Juden geradeswegs als ein großer Volksstamm zusammenwohnen, und so wenigstens eine der Bedingungen für ein selbstständiges Stammesleben derselben vorhanden ist. Eine Verbindung von Altem und Neuem Testament im Cultus, welche das jüdische Gewand deutlich erkennen läßt, wäre in einer solchen Gemeinde auch vollständig am Platze, und die von Rabinowitz in diesem Sinne entworfene Abendmahlsliturgie hat etwas durchaus Feierliches und Ansprechendes. Bis hierher wollen wir auch den Männern, welche in jener Bewegung stehn, ihr gutes Recht gewahrt wissen. Aber man wird sich anderseits der Erkenntniß nicht entziehen können, daß wieder, wie in den Anfangszeiten de§ Christenthums, die Gefahr für diese christgläubige Gemeinde aus den Juden vorhanden ist, daß nationale Gedanken an die erste Stelle treten und