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Dibre Emeth · 1884-01-01 · 9-10 (1884) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
9-10 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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151 diese Freunde mich auch wohl so viele Jahre unterhalten? Ueberdem sagte ich mir, was für eine Gemeinde würde mich, da ich ein Jude von Herkunft bin und so viele Feinde habe, zu ihrem Prediger berufen wollen, da so viele im Schooße der christlichen Kirche geboren und erzogen, in allen christlichen Wahrheiten von Jugend an unterrichtet sind und sich in Schulen, Sprachen, Künsten und Wissenschaften so viele Jahre geübt haben! Dennoch, so groß diese Schwierigkeiten auch waren, bekannte ich mir, daß der Ruf vom Herrn sei und wunderbarlich in meinen Augen. Wer hat das Herz dieser Freunde dazu bewogen; ist es nicht der Herr, und ist er nicht mächtig, mir alles Nöthige zu verleihen, um das Ziel zu erreichen? Sind mir nicht überdem bisher alle anderen Wege, die mich zu einem Beruf führen sollten, vereitelt worden und alle Thüren verschlossen geblieben? Warum sollte ich den Weg, welchen der Herr mir geöffnet hatte, selbst verschließen und der rufenden Stimme der göttlichen Vorsehung nicht folgen! Ich übergab mich also dem Gott meines Heils, der mir bisher so wunderbarlich und viel besser, als ich es selber hätte thun können, geholfen, ihm blindlings zu folgen, wo er mich hinleiten wird, nicht zu forschen und zu fragen, sondern mit Geduld abzuwarten und zu glauben, daß er, der ruft, getreu ist. So zog ich denn nach Verlauf von vier Monaten mit meiner Frau und Kind auf Gottes Treue bauend aus Amsterdam nach Utrecht. In den ersten sechs Monaten, die ich dort wohnte, war mein Weg sehr dunkel; ich war daselbst wie ein Fremdling, und der Unglaube nahm dergestalt in mir zu, daß ich dachte, ich würde wieder nach Amsterdam zurückkehren müssen, wie ich denn auch einem gottseligen Lehrer in Nordholland und mehreren anderen Freunden die Umstände, in welchen ich mich damals befand, entdeckte. Aber er, der das Werk seiner Hände nicht fahren läßt, ließ ganz unerwartet und wohl in meinen größten Verlegenheiten und Bekümmernissen das Licht vor mir aus der Finsterniß hervorleuchten und bewegte das Herz noch anderer Freunde aus verschiedenen Orten, daß, so lange die Zeit meiner Studien währen würde, sie jährlich zu meiner Unterstützung etwas senden wollten. Hier sah ich wieder zu meiner Beschämung, daß Gott mit meinem Weg zufrieden war, und glaubte desto fester, daß Gott das angefangene Werk vollenden würde.

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