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Dibre Emeth · 1884-01-01 · 9-10 (1884) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
9-10 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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148 Hier könnte ich nun Vieles über die greulichen Nachstellungen und Ralhschläge der Inden, über die Todesgefahren, in die ich geriet!), und über die schmerzliche Entbehrung meines lieben Kindes erzählen, doch das muß ich übergehen und will nur allein sagen, daß der Gott Israels, der allein Wunder thun kann, mich aus den Händen der blutdürstigen Feinde errettet und daß er durch seine anbetungswürdige Vorsehung selbst einen meiner jüdischen Brüder als ein Mittel gebraucht hat, mich zur Mitternacht aus der Stadt zu führen, da ich den ersten Ebenezcr aufrichtete: »Bis hierhin hat der Herr geholfen!« Da ich nun auf dem Felde wie ein verirret Schaf stand und nicht wußte, wo ich mich hinbcgebeu sollte, übergab ich mich dem Herrn vollkommen. Ich bat ihn unter Seufzen, daß er mein Leiter sein und mir den Weg zeigen wolle, den ich nun gehen soll. Und so hat der gütige Gott, der das Werk seiner Hände nicht läßt, mich als einen Blinden, der weder Weg noch Steg kennt, geleitet und mich endlich nach langem Umherirreu, hochgestiegenen Prüfungen und vielen muthbenehmenden Begegnungen nach Amsterdam gebracht. Gesegnet ist mir Amsterdam, wo ich dreimal gewesen und jedesmal wieder wegzog, damit es doch zuletzt der Ort meiner Ruhe würde. Als ich endlich zum vierten Male dahin gekommen, befand ich mich in sehr kläglichen Umständen, denn ich war von Allem entblößt. Ich verstand die holländische Sprache nicht; ich kannte daselbst keinen einzigen Christen, zu dem ich als ein Fremdling meine Zuflucht nehmen konnte, und übcrdem beherrschte mich der Hochmuth noch dergestalt, daß ich meine große Noth Niemandem entdeckte. Schließlich erwartete ich denn auch nichts Anderes, als durch Hunger und Mangel das Ende meines Lebens zu finden. Aber seht, Der, dessen Name heißt Erbarmcr, und bei welchem ein Ausweg aus dem Tode ist, half mir in dieser Prüfung über alle Erwartung. Er ist eben noch derselbe Gott, und ob er schon keine Raben mehr sendet, so gebraucht er doch andere Mittel, um dem Hungrigen Brot zu verschaffen. Das lernte ich aus eigener Erfahrung. Es sitzen hier Verschiedene vor mir, die mich in meinem armseligen Stande gekannt haben und es bezeugen können, wie es damals mit mir stand. Warum sollte ich also hiervon nicht sprechen und mich meiner vormaligen Armuth schämen? Das sei ferne;

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