Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 9-10 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2554541-2554906-2554912--08280-2564304- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
147 einmal an der Hand seiner Antrittspredigt zu Mydrecht bringen. Er selbst sagt dort: »Ich bin ein jüdischer Mann, geboren im Jahre 1734 zu Temesvar in Ungarn. Als ich 13 Jahr alt war, ward ich auf die vornehmste Akademie der Juden nach Prag gesandt. Als ich da sieben Jahr studiert hatte, zog ich wieder nach meinem Vaterland und heirathete die Tochter des Salomon Cohen in Neustadt a. d. Waag. Nach sechs Jahren wurde meine Frau mir plötzlich aus den Armen gerückt und ließ mir ein Töchterlein, sechs Monate alt, zurück; ich selbst aber ward durch meine Schwiegereltern bewogen, mich wieder mit ihrer zweiten Tochter zu verheirathen. Ich will von meinem Stand, Reichthum und Person weiter nichts sagen, die Juden in Amsterdam können die Wahrheit bezeugen. Da gefiel es dem Gott Jakobs, als ich wie ein rechter Pharisäer lebte, mich, das verlorene Schaf zu suchen; er öffnete meine Augen/ daß ich meinen unglücklichen Stand einsah. Fortan suchte ich alles in das Werk zu stellen, um Gott zu versöhnen und mir die Seligkeit zu verdienen. Doch anstatt Frieden zu finden, überfielen mich Schrecken und Aengste; ich sah die Verdammniß und meine Ohnmacht, das Gesetz zu halten, und weil ich des Weges Gottes zur Seligkeit ganz unkundig war, so rief ich oft in Verzweiflung aus: »Ach, daß ich nicht geboren wäre!« Als ich nun sieben Monate in hochsteigenden Anfechtungen zugebracht hatte, gefiel es Gott, sich in seinem Gesalbten mir Unwürdigen näher-zu entdecken und mir Christus den Gekreuzigten als den einigen Weg zur Seligkeit zu zeigen, sodaß ich nun wußte, daß ich allein in ihm erhalten und selig werden könne. Da ich aber einige bekümmerte Ausdrücke in Gegenwart meiner Frau gethan, wodurch sie etwas von meinen Gesinnungen erfuhr, nahm sie mein liebes Töchterlein und ging damit zu ihren Eltern; und da sie ihnen etwas von meinen Reden entdeckt hatte, versammelte sich der ganze jüdische Rath, und ich wurde ihren Gesetzen gemäß gezwungen, ihr einen Scheidebrief zu senden, selbst aber durch den Can Schamutha öffentlich verflucht. Als dies die Katholischen und ihre Priester vernahmen, besuchten sie mich auf's Freundlichste und suchten mich aus alle Weise zu trösten — aber durch den Abscheu, den ich an'den abgöttischen Bildern hatte, wurde meine Roth vergrößert, und ich wünschte mir oft den Tod. 10*