Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 9-10 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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143 und der Nächstenliebe, der Gesittung und Aufklärung erhoben wurde — nahm auch jenes Mißverhältniß, jenesVorurtheil, jene unsittliche Feindschaft merkbar ab. Aber seitdem der Partei- und Klassenhaß wieder im politischen und sozialen Leben eine Rolle spielt, seitdem der konfessionelle Hader sich wieder verschärft hat und täglich zum Ausdruck kommt, gerade von denen genährt, welche ihn zu bekämpfen berufen wären, seitdem der Zerfall im bürgerlichen Leben durch die sozialistischen Ideen und Bestrebungen gewachsen ist — seitdem hat man sich auch wieder aus die Juden geworfen, und stellt man sie dem Volke als Feinde, als Fremde, als überlästige Eindringlinge, als Ausbeuter u. dergl. vor; so wachen die alten Leidenschaften und Gehässigkeiten, die einzuschlummern begonnen hatten, von Neuem auf und lassen ihre traurigen Wirkungen verspüren. WaS dagegen zu thun sei? Wir wissen kein anderes Mittel, als daß wir diese Zeit vorübergehen lassen, mit dem vollen Vertrauen, daß der Geist der Aufklärung, der humanen Kultur, der ganzen Richtung des modernen Geistes, auch diese Zeit vorüberführen werde. Aehnliche Perioden solcher Exasperationen haben wir auch in unserm Jahrhundert schon einige Male erlebt, und sie gingen vorüber, sich allmählich abschwächend und in eine bessere Stimmung überlenkend. Andrerseits dürfen die Jude» nicht stille stehen und sich nicht abschrecken lassen. Sie müssen unermüdlich an ihrer eigenen Kultur Mitarbeiten und an sich abschleifen, was noch aus alter Zeit von abstoßenden Gewohnheiten, von unpassendem und auffälligem Gebahren an ihnen haftet. Vor Allem müssen sie danach streben, in gewerblicher Beziehung immer weniger von ihren Mitbürgern sich zu unterscheiden, und darum dem Handwerk und der technischen Arbeit sich mehr und mehr zuwenden — was sie alles recht wohl thun können, ohne ihrer Religion und den wahren Vorschriften derselben zu nahe zu treten. Wenn dieses Streben in uns lebendig ist und wir uns immer mehr sagen können, daß alle diese Anschuldigungen und Mißhandlungen unververdient und nur der Ausfluß eines noch immer nicht ersterbenden Vorurtheils und Hasses sind, so können wir mit voller Zuversicht sagen, wie unsre Urväter gesprochen: »Der Hüter Israels, er schläft und schlummert nicht!« So der Artikel. Zunächst tritt uns aus demselben die Wahr-