Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 9-10 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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135 sich ein, daß dies der Grund seiner Neugierde sei. Er schlug gerade das 8. Kapitel im Evangelium Lukas auf, und dasselbe machte einen merkwürdigen Eindruck auf ihn. Plötzlich aber besann er sich, was er that, und verlor nun alle Geduld mit sich selbst, da er sich der Versuchung wieder ausgesetzt habe; deshalb schnitt er das Buch mit einem Federmesser in Stücke und beschloß, nie wieder ein Neues Testament in die Hand zu nehmen oder es zu öffnen. Aber gelobt sei Gott, er sagt zu den Kindern Israel, Hes. 20, 32: »Das ihr gedenket zu thun, soll euch fehlen!« Und der Herr Jesus sagt: »Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen!« (Joh. 6, 37.) Bald danach durfte Moses einen langgehegten Wunsch seiner Jugend erfüllt sehen. Er erlangte, obwohl mit Widerstreben, die Einwilligung seiner Eltern zu Reisen. So begab er sich denn auf dieselben und wollte Frankreich besuchen; aber einer von den Umständen, die so oft Veränderungen herbeiführen, leitete seine Schritte nach England. Er kam also im August 1837 nach Liverpool. Die englischen Juden fand er im Allgemeinen halb ungläubig und bemerkte bald, daß er in ihrer Gesellschaft wenig Befriedigung finden würde. Deshalb begann er sich sehr unwohl zu fühlen und wünschte wieder nach Polen zurückzukehren. Aber da er nach Polen eine Beschreibung von Juden, die sich zum Christenthum bekehrt hatten, mitnehmen wollte und hörte, daß es einen hebräischen Christen, der selbst unter den ungläubigen Juden von gutem Rufe war, gäbe, beschloß er, zu demselben zu gehen und ihn zu sehen. Beide begannen bald über die christliche Lehre, wie sie im Alten Testamente vorhanden sei, miteinander zu sprechen. L., so hieß der Proselyt, drängte ihn, das Neue Testament zu lesen. Selbst der Name des Buches mißfiel ihm jedoch, und er wurde in Folge dieser Gespräche im Innern sehr beunruhigt. Aber das Neue Testament und Jehovah Jesus waren die einzigen Gegenstände seines Nachdenkens, obgleich er alles, was in seiner Macht stand, versuchte, diese Gedanken zu verbannen. Er fühlte, daß länger in Liverpool zu verweilen für ihn gefährlich wäre, und zwei oder drei Tage darauf verließ er es mit der Absicht, London zu besuchen, ehe er nach Polen zurückkehrte. Eine kurze Strecke reiste er, in seinem Innern ganz mit den bisherigen Gedanken