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Dibre Emeth · 1884-01-01 · 9-10 (1884) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
9-10 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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131 er zeigte mir aus dem Alten und Neuen Testament den Weg des Heils und des Lebens. Ich wurde durch das Studium der heil. Schrift im Herzen überzeugt, daß Jesus Christus wahrer Gott sei, und wir allein durch ihn Leben, Frieden und Seligkeit finden und erlangen, durch Beobachtung und Halten des Gesetzes aber niemals vor Gott gerecht werden können. Als ich diesen meinen Glauben öffentlich bekannte, trennten sich meine Mutter und meine Verwandten von mir. An dem Sonntage, da ich mit meiner Frau, die mit mir zum Glauben kamgetauft wurde, hielt meine Mutter mit meinen Geschwistern, meinen und meiner Frau Verwandten eine Todtenklage über uns. In ihren Augen waren wir von dem Tage an Gestorbene. Nach der h. Taufe empfingen wir miteinander das h. Sakrament des Leibes und Blutes Jesu und freuten uns unsers Gnadenstandes und der Vergebung unsrer Sünden. Ich arbeitete noch fleißiger in meinem Weberhandwerk als zuvor und gab jede Woche einen großen Theil meines Verdienstes meiner Mutter zum Unterhalt meiner jüngeren Geschwister. Ich that ihr Liebes und Gutes, wo ich konnte, ich betete für sie und redete oft mit ihr von dem Frieden, den ich im Glauben an Jesum, meinen Herrn und Gott, gefunden habe. Es vergingen Monate und Jahre, wo meine Worte scheinbar eindruckslos bei meiner Mutter blieben. Sie, eine fromme und selbstgerechte Jüdin, trauerte innerlich um mich, ihren Sohn, der von der Väter Glauben abgefallen war. Endlich, nach etwas mehr als zwei Jahren, gefiel es Gott, ihr die Decke Mosis wegzunehmen; sie wurde von ihrer Sündhaftigkeit überzeugt, suchte Erlösung und Vergebung und konnte durch Gottes große Güte und Erbarmen sammt meinen jüngeren Geschwistern getauft werden. Das war ein Dank- und Freudentag für mich und unsre ganze Familie. Jetzt ist es meine größte Freude, wenn ich mit einem meiner Brüder hinausgehen darf auf die Judenorte, um meinen Brüdern nach dem Fleisch Jesum Christum, den Gekreuzigten, zu verkündigen und ihnen zu sagen, wie gut man es bei Ihm hat. Vor Allem aber danke ich meinem Gott und Heiland, daß er mich selbst auf den rechten Weg, der zum Leben führt, gebracht hat. Hoschu Mersch«." 9*

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