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Dibre Emeth · 1884-01-01 · 9-10 (1884) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
9-10 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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130 Goschu Merscha. Missionar Flad hat aus Abessinien, dessen Schicksal durch die gegenwärtigen Bewegungen im Süden von Aegypten tiefgreifend bestimmt werden dürfte, neue Nachrichten erhalten. Die Briefe lassen es insbesondere deutlich erkennen, daß in jenem Lande Elemente vorhanden sind, welche ein gewisses Vertrauen für die weitere Entwickelung desselben erwecken können. Ein Beweis hierfür möge die folgende Selbstbiographie eines der einheimischen Missionare sein, welche mit der Londoner Falascha-Mission und dem Missionar Flad zu Kornthal in Verbindung stehn. „Ich bin in Alafa geboren. Mein Vater war ein geachteter, frommer Jude, in den Schriften des A. T. wohl bewandert. Er war ein fleißiger Beter, stand oft Morgens um die Zeit des Hahnenschreies auf und verrichtete bis Tagesanbruch seine Gebete oder las die Psalmen. Er konnte das ganze Buch der Psalmen auswendig. Früh in meiner Jugend sandte er mich in die Missionsschule des Debtera Bern in Dschenda. In meinen Knabenjahren war ich täglich bei Debtera Beru. Mein Vater starb, als ich und meine Geschwister noch sehr jung waren. Wir trauerten mit unsrer Mutter sehr über den frühen Tod unsers Vaters und sagten: »Wer wird uns ernähren? Wer wird uns auferziehen?« Der ewige Gott aber, dessen Gedanken und Wege andere sind als die unfern, hat an uns arme Verwaisten gedacht und hat uns versorgt. Als Knabe lernte ich das Weberhandwerk, und mein Gott gab mir seinen Segen, so daß ich mit meiner Mutter, die Töpfe machte, unsre Familie ernähren und meiner Mutter bei Erziehung meiner jüngeren Geschwister helfen konnte. Ich verehelichte mich jung, lebte mit meiner Frau und Mutter streng nach dem mosaischen Gesetze und brachte auch die bei uns üblichen Opfer und Gebete am Jahrestage des Todes meines Vaters dar. Bei aller äußerlich strengen Beobachtung des Gesetzes blieb ich innerlich leer. Ich hatte ein Etwas in mir, das immer unbefriedigt blieb und mich nie zur Ruhe und zur Freude kommen ließ. Es fehlte mir der Seelenfrieden, den eine begnadigte Seele, die Vergebung ihrer Sünden hat, besitzt. Da fing ich an, um mein Seelenheil bekümmert zu werden. Ich besuchte fleißig Debtera Beru, und

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