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Dibre Emeth · 1884-01-01 · 7-8 (1884) · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
7-8 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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125 nahe halb schon bewiesenen Verdacht. Endlich vollendete der innere Richter in ihm, was seine Richter außer ihm nicht zu vollenden vermochten. Innere Folterqualen malten sich aus seinem Gesichte und in seinem Betragen so fühlbar, daß die Richter ihm getrost und kühn in's Angesicht sagten: »Bösewicht, wagst Du es, den Feuerflammenaugen des Allsehenden länger Trotz zu bieten? Du stehst am Abgrunde; ehe er Dich verschlingt, sprich zur Ehre der Wahrheit: Ja!« — Zitternd an allen Gliedern sprach der Mensch: Ja! Er bekannte von da an alle Haupt- und Nebenumstände seines Verbrechens. Er wurde nach den verhandelten Akten zu achttägiger Auspeitschung auf öffentlichem Markte und zu sechsjährigem Festungsbau in C. verurtheilt. Unser gläubiger Nathan, jetzt nach seinem Taufnamen Christlieb, hatte kaum hiervon Nachricht erhalten, als sein Herz sich mit Wehmuth und Mitleid für den Unglücklichen erfüllt fühlte. Er freute sich nicht, den Stifter seines eigenen Unglücks nunmehr bestraft zu sehen; er fühlte nur die heiße Sehnsucht, dessen Seele gerettet und auf den Weg des Lebens geführt zu wissen. Er faßte den Entschluß, selbst nach C. zu reisen und sich dort auf sechs Jahre einzumiethen, um den Festungszüchtling täglich besuchen und ihm leiblich und geistlich Gutes erweisen zu können. Er erbat sich hierzu förmlich die Erlaubniß des Kommandanten und der Unterbehörden, welche ihm auch auf seine Erzählung der ganzen Sache bewilligt wurde. Er sorgte für bessere Nahrung des Züchtlings und in einer demselben zugestvßenen, vierzehntägigen Krankheit für Kur und Verpflegung. Während dieser Krankheit machte er sich zugleich die geistliche Kur, die Bekehrung seiner armen Seele, zum Hauptaugenmerk. Er unterwies ihn, er warnte, bat, flehte, beschwor den Kranken, seine arme Seele zu retten, indem er sich als Bußfertiger zu Ihm wende, der den mit Ihm gekreuzigten Mörder begnadigte und selig machte. Seine Thränen und Vorstellungen wirkten. Es gefiel dem HErrn, der so gern Sünder annimmt, das Herz des Verstockten zu erweichen. Er weinte um Gnade und er fand Gnade. Er zerfloß während eines Gebetes seines Wohlthäters in Thränen der tiefsten Reue und betete nun selbst mit rührender Inbrunst und Andacht. Der HErr erhörte das Gebet des Elenden und sprach den Frieden in seine Seele. Er erholte sich seit dem Tage von seiner Krankheit.

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