Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 7-8 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Nach seiner Genesung zeugte sein Blick und Wandel von der Wahrheit und Aufrichtigkeit seiner Bekehrung. Seine gänzliche Umschaffung blieb selbst dem Kommandanten nicht unbemerkt, der ihn wegen seines stillen, fleißigen und folgsamen Betragens immer mehr lieb gewann und ihm sein Schicksal so erträglich, als er immer konnte und durfte, zu machen suchte. Nach abgelaufenen Strafjahren erhielt er seine Freiheit. Sein geistlicher und leiblicher Wohlthäter nahm ihn zu sich in seine Wohnung. Sie blieben hier einige Monate zusammen, erquickten sich mit einander im Worte und stärkten sich durch tägliches Gebet im Glauben, in der Liebe und im Festhalten an der Gnade, die ihnen Beiden widerfahren war. Nachdem sie gemeinschaftlich das Mahl des HErrn genossen hatten, begleitete Christlieb seinen Freund an seinen Wohnort zurück und führte ihn selbst in die Arme seiner Gattin, die ihm sein erstgeborenes Söhnchen, welches sie im ersten Jahre seiner Haft geboren hatte, entgegenbrachte. Am folgenden Tage verabschiedete sich Christlieb und kehrte in seine Wohnstadt zurück, wo er nach drei oder vier Monaten erkrankte und voll himmlischer Freude mit dem Ausruf: »HErr, nun lässest Du Deinen armen Knecht in Frieden fahren, denn meine Augen haben meinen Heiland gesehen!« in das Reich der ewigen Freude hinüberging. Auf seinem Krankenlager nannte er oft den Namen seines Freundes, mit freudigen Danksagungen und mit heißem Gebet, daß der HErr ihn im Glauben und Anhängen an Ihm fest bis an's Ende erhalten und ihn zu einem leuchtenden Lichte unter den Seiuigen machen wolle. Dieses sein Gebet wurde gnädig erhört. Sein Freund blieb der empfangenen Gnade treu und wurde ein Werkzeug des Segens für seine Gattin und Schwiegereltern, welche durch seinen christlichen Wandel erbaut und aufgemuntert wurden, der Welt und Sünde abzusagen und den schmalen Pfad zu betreten, der zum ewigen Leben führt. Er wurde der Gegenstand des Spottes der Verächter Gottes, aber zugleich der Gegenstand des Danksagens und Lobpreisens aller Anbeter Gottes und seines Christus.