Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 7-8 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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124 Er fragte bald nach seiner Befreiung nach einem gottesfürchtigen evangelischen Prediger. Man nannte ihm den Pastor B. ctfseinen heiligen Mann. Er entdeckte sich diesem und erzählte ihm alles, was im Aeußern und in seinem Innern vorgegangen war, und bat auf's Dringendste um die Taufe und um Zulassung zum heiligen Abendmahl. Nachdem der Prediger ihn gründlich geprüft hatte, schrieb er an seine Vorgesetzten: »Wer von Gott, wie dieser Israelit, gelehrt ist, der bedarf keines weiteren Unterrichts von Menschen. Ich habe ihn in allen Wahrheiten unseres Glaubens so gründlich unterrichtet und zugleich so fest überzeugt gesunden, daß ich es mir als Sünde anrechnen müßte, ihm die Taufe zu versagen.« Er ward nach Verlauf einiger Wochen in der Hauptkirche öffentlich getauft und genoß nachher das heilige Abendmahl unter großer Bewegung seines Herzens. Der wirkliche Mörder, der unter einem angenommenen, fremden Namen bei seinen Schwiegereltern in P. als deren Gastwirthschaftsgehülfe lebte, hatte schon seit einiger Zeit durch unvorsichtiges Reden den Argwohn gegen sich erweckt, bis eine Gelegenheit sich ereignete, wo er sich gänzlich verrieth. Zwei in ihrem Gasthause eingekehrte Fremde sprachen von dem Mordvorfall und allem, was darauf erfolgt war, in Gegenwart eines Mitgliedes dortigen Stadtgerichts. Sie erwähnten des GastwirthsohneS in M., als des höchst vermuthlichen Thäters, und da eben jetzt der Schwiegersohn des Hauses zur Bedienung hereintrat, so sagte einer der Fremden laut, obwohl nur scherzweise und ohne die geringste Absicht: Gerade so aussehend, wie hier unser junger Herr Wirth, wird jener Mensch beschrieben. Bei diesen Worten erbleichte der junge Wirth, zitterte, wollte reden und stotterte. Die Gerichtsperson, dadurch aufmerksam gemacht, eilte zu den Amtskollegen. Es wurde sogleich berathschlagt und beschlossen, den Menschen für jetzt unbemerkt zu bewachen und gegen die Nacht in Verhaft zu bringen, was auch geschah. In den ersten Verhören widerstand der Bösewicht aller List und Klugheit seiner Inquirenten. Durch unermüdeteS Nachforschen entdeckte man immer mehrere wider ihn zeugende Umstände. Selbst seine unbefriedigten Aussagen, den geraubten, ihm jetzt von Gerichtswegen abgenommenen Ring betreffend, bekräftigten den bei-