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Dibre Emeth · 1884-01-01 · 7-8 (1884) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
7-8 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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113 talentirte Menschen. Wird einer von uns angeklagt, so find wir alle verstimmt und suchen zu vertuschen oder zu verkleinern. Wenn wir uns nicht solidarisch fühlten, würden wir nicht den Kampf gegen den Kapitalismus von vorn herein als einen Kampf gegen das Judenthum bezeichnet haben und würden es zugestehen, daß die Presse in jüdischen Händen liegt; in Wien sind z. B. alle Blätter und Blättchen, die wenigen klerikalen ausgenommen, von jüdischen Redakteuren oder Besitzern geleitet. Anstatt aber in uns zu gehen, wollen wir den Kampf mit dem Antisemitismus aufnehmen. Organisation gegen Organisatiön lautet die neue Parole, und besonders sollen wir die Arbeiter und Frauen zu gewinnen suchen, welche den Antisemitismus aus der Theorie am Meisten in's praktische Leben übersetzen. Die Arbeiter suchen wir mit Phrasen zu übcrtäuben, die Frauen bei ihrem weichen Herzen zu fassen; aber ob es uns gelingen wird, ist die Frage. Wir kämpfen zu sehr gegen den Ausgleich in der Gesellschaft, den die jetzige Zeit erstrebt, als daß es uns gelingen sollte, den Sieg davonzutragen. Wir müssen also den Kampf nach innen aufnehmen. Zuvörderst wird man uns fragen, wollen wir eine Nation oder eine Religionsgenossenschaft sein? Daß wir keine Religionsgenossenschaft sind, beweisen wir selbst nach außen; wenn wir unsere Spitzen zählen, nennen wir ja lauter Millionäre oder Gelehrte, und nicht Männer der Religion. Wir sind aber auch keine Nation mehr, sondern eine Kaste und haben keine selbstständige Entwickelung, keine eigene Geistesentfaltung mehr; wir philosophiren, dichten und schreiben nur mit den anderen Nationen, in deren Mitte wir leben. Was also wollen wir sein und werden? Der Antisemitismus stellt uns diese Frage und stellt sie uns, ehe es zu spät ist. Wäre er nicht gekommen, dann wäre später eine schreckliche Empörung gegen unser Joch ausgebrochen, bei der man kurzen Prozeß mit uns gemacht und uns ohne alle Formalitäten vernichtet hätte. Umkehr also sollen wir halten, Umkehr auf der ganzen Linie! Die Zeit ruft uns zu: »Juden, arbeitet!« Es ist eine Heuchelei, daß wir uns unablässig als die Verfolgten und Unterdrückten hinstellen, da doch die Völker eigentlich unsere Heloten und Parias sind, die für uns arbeiten müssen. 8

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