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Dibre Emeth · 1884-01-01 · 7-8 (1884) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
7-8 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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110 in unsere Hände gebracht. Gelungen ist uns dies mittels der Presse. Seitdem ist die Privatwohlthätigkeit vielfach erstickt, das Elend aber hat sich außerordentlich gesteigert und besonders die Zahl der Selbstmorde in erschreckender Weise gemehrt. Die materielle Herrschaft des Kapitalismus aber wäre noch leichter ertragen worden, wenn derselbe nicht auch alles Geistesleben des Volkes ersticken würde. Eine Welt jedoch ohne Poesie, ohne Moral, eine Welt, - in der Erwerben und Genießen die einzigen Triebkräfte sind, selbst für die, welche berufen wären, das Geistesleben zu erhalten, muß vertrocknen und verwelken wie die alte Welt in ihren letzten Stadien. Nicht die materielle Herrschaft, die wir üben, wird daher jetzt an uns gerächt, sondern der geistige Rückschritt, den wir verursachen. Freilich brüsten wir uns mit unserer Intelligenz und Bildung, aber wir haben mit derselben nur eine neue Kluft zwischen uns und dem Volke geschaffen, die an das älteste Kastensystem erinnert. Eine Klasse gelangt vermöge ihrer gewerblichen und materiellen Verhältnisse zu Intelligenz und Bildung, während die Massen zur Unmündigkeit und Unwissenheit verdammt sind. Die Söhne deö Bauern, des Arbeiters und des Handwerkers bilden das Helotenthum, wir die bevorzugte herrschende Klasse der Intelligenten und Gebildeten. Sollte etwa das Volk bei diesem Verhältnisse gleichgültig bleiben? Wenn der Antisemitismus sich nicht geregt hätte, würden in einer leicht zu berechnenden Zeit alle Staatsämter von uns Juden besetzt gewesen sein, hätten nur wir alle Lehrkanzeln eingenommen, wären Kunst und Wissenschaft einzig und allein in unseren Händen gelegen. Die Durchschnittszahl jüdischer Schüler auf den Wiener Mittelschulen betrug zuletzt 40 %. Kunst und Wissenschaft eine Generation lang in unseren Händen würde auch den Nationalgeist jedes Volkes tödten, daß es nur um so leichter in Barbarei verfiele; wir können nicht in den Volksgeist eindringen, weil wir zu realistisch gesinnt sind. Weg mit der Lüge von unserer Schulfreundlichkeit! Das moderne jüdische Schulwesen, die moderne jüdische Erziehung sind die gefährlichsten Feinde der Gesellschaft und des Judenthums selbst. Mit einer so erzogenen Jugend, wie eS die unsere ist, mußte

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