Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 7-8 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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109 Jagd nach Orden und nach Titeln, wie sie keine Gesellschaftsklasse treibt, am wenigsten eine Religionsgenossenschaft. Um aber diese Stellung in der Gesellschaft zu erlangen, mußten wir trachten, die Presse in unsere Hände zu bekommen. Anfangs wollten wir mit der Journalistik nichts Anderes bezwecken, als den Gegner todtzuschweigen, oder sie zur Abwehr zu gebrauchen später jedoch ist diese Schutzwehr eine Macht geworden, welche den Staat selbst beherrscht. Die jüdische Presse wurde die Ergänzung der Emanzipation, sie ist uns Juden nun das Schwert in der einen Hand zum Niederschlagen des Gegners und die Kelle in der anderen zum Ausbau unserer Herrschaft. Alle Konkurrenz suchte die jüdische Presse niederzuschlagen und dabei führte sie in die Sprache anstatt der klassischen Ruhe die talmudische Dialektik und den Ghettowitz ein. Die größte Schmach für die Welt aber ist, daß eigentliche Buben über sie in der Presse herrschen, deren wichtigste Aufgabe ist, die Dynastie des herrschenden Kapitals bei jeder Gelegenheit zu verherrlichen. Die Witzblätter hegen und pflegen wir fast noch mehr, als die großen politischen Blätter. Die Satyre wäre schon recht, aber sie muß eben die Moral zum Zweck haben. In unseren Witzblättern ist hiervon keine Spur zu finden, sie witzeln nicht blos über das Gemeine und Lächerliche, sondern bespritzen auch das Erhabenste und Glänzendste mit ihrem Spott. Mit diesen Witzblättern zersetzen wir den ganzen Ernst des Lebens in Staat und Gesellschaft. Wir witzeln über kirchliche Dinge, das Volk lacht mit uns und gewöhnt sich Spott und Verachtung gegen die Religion an. Wir witzeln über Verbrecher, das Volk lacht, und seine sittliche Entrüstung über das Verbrechen schwindet. Die größten Verheerungen aber richten wir mit schmutzigen Witzen und den dazu dienenden Bildern an; so wird die Moral des Volkes vergiftet, daß ihm nicht mehr die Kraft zu seiner Ermannung bleibt, wenn es schon in das Joch unserer Herrschaft ■ geschmiedet ist. Herrschen wollen jetzt die Juden auf der ganzen Linie. Mit dem Bettelstäbe hatte das Volk seine Unabhängigkeit von uns errungen. Auch betteln sollte es noch zu uns kommen müssen; wir haben die Privatwohlthätigkeit aus der Reihe der Tugenden gestrichen und die öffentliche Wohlthätigkeit, wenigstens in Wien,