Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1884-01-01 · 7-8 (1884) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
7-8 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554906-2554911--08238-2564261
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

106 ihn Gott in eine günstigere Lage versetzt hatte, machten es ihm zur süßen Pflicht, fremde Noth zu lindern. Besonders viel that er in dieser Beziehung an seinen jüdischen Verwandten. Es war ihm Bedürfniß, ihnen zu zeigen, daß sein Herz durch den Uebertritt zum Christenthum nicht von ihnen abgewendet sei; so unterstützte er seine in sehr beschränkten Verhältnissen lebende Mutter mit großer Pietät und sorgte für die Erziehung und Heranbildung jüngerer Verwandten. Aber auch außerhalb des Kreises der ihm Nahestehenden ergriff er gern die Gelegenheit, um im Verborgenen auf eine für die Bedürftigen nützliche Weise Wohlthaten zu spenden, auch bei öffentlichen Anstalten und Sammlungen fand man ihn immer bereit zu geben. Von seiner strengen Gewissenhaftigkeit einige Beispiele. Ein naher, ihm theurer junger Verwandter bewarb sich um eine Bibliothekarstelle an der Universität. Der Ober-Bibliothekar, dessen Schüler er früher war, begünstigte seine Bewerbung, aber er erhielt die Stelle nicht. Später forderte Mayer seinen Vetter auf, sich bei seinem Fürsprecher zu bedanken. Als dieser ihm erwiderte, er habe ja die Stelle nicht erhalten, meinte Mayer: »Ich war im Senate dagegen, weil ich die Ansprüche eines älteren Familienvaters für gerechter hielt!« Ein anderes Mal war derselbe Verwandte zum Besuch. Es war ein kleines Packetchen an eine befreundete Stuttgarter Familie da, das der Besucher dort eigenhändig abgeben sollte. Als M. vom Kolleg heimkam und erfuhr, daß jenes Packet mit Gelegenheit besorgt werden sollte, mußte es wieder der Reisetasche entnommen und zur Post besorgt werden; Mayer meinte: »Das Gepäck ist als Passagiergut frei, aber nicht fremdes!« Ein erfreulicher Beweis des Vertrauens seiner christlichen Mitbürger war es, daß er zum Mitglied des neuerrichteten Pfarrgemeinderaths gewählt wurde, welches Amt er das letzte Jahrzehnt seines Lebens hindurch mit Hingebung verwaltete. Obgleich er das eheliche Glück nur so kurz genießen durfte und nie Kinder hatte, entbehrte er doch keineswegs der häuslichen Behaglichkeit und der Sorge für einen Hausstand. Er nahm eine verwittwete Schwester seiner verstorbenen Frau mit deren Tochter zu sich, die ihm das Hauswesen führte, und widmete diesen Verwandten die liebevolle Fürsorge des Hausvaters. Seine leibliche Gesundheit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.